Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
K. J. Lackner und D. Peetz

Glukagon

Glukagon
Englischer Begriff
glucagon
Definition
Glukoregulatorisches Peptidhormon des Pankreas.
Struktur
Aminosäuren langes Polypeptid.
Molmasse
Ca. 3,5 kDa.
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Glukagon entsteht durch proteolytische Spaltung aus Proglukagon, einer 160 Aminosäuren langen Vorstufe nach Abspaltung einer 20 Aminosäuren langen Leader-Sequenz, die in Pankreas, Dünndarm und Gehirn synthetisiert wird. Die Prozessierung von Proglukagon ist gewebespezifisch. Im Pankreas werden die Aminosäuren 33–61, die Glukagon entsprechen, durch Prohormonkonvertase 2 abgespalten. Im Dünndarm wird Proglukagon durch Prohormonkonvertase 1–3 zu den Glucagon-like peptides 1 und 2 prozessiert. Weitere Peptide, die aus Proglukagon entstehen, sind Glicentin und Oxyntomodulin. Beide regulieren die intestinale Motilität und die Nahrungsaufnahme.
Funktion – Pathophysiologie
Glukagon wird bei niedriger Glukose-Konzentration sezerniert und induziert die hepatische Glukoseproduktion u. a. durch Induktion der Glukoneogenese und Hemmung der Glykolyse. Damit ist Glukagon der physiologische Gegenspieler von Insulin. Fehlende Glukagonproduktion führt zu Hypoglykämien.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
EDTA-Plasma, Serum.
Probenstabilität
Zur Vermeidung proteolytischer Spaltung wird empfohlen, die Probe direkt auf Eis zu kühlen, bei 4 °C zu zentrifugieren und ggf. bis zur Analytik einzufrieren.
Präanalytik
Nüchternblutentnahme.
Analytik
Bestimmung erfolgt mit einem Liganden-Bindungsassay, meist Radioimmunoassay.
Konventionelle Einheit
ng/L.
Internationale Einheit
pmol/L.
Umrechnungsfaktor zw. konv. u. int. Einheit
0,287.
Referenzbereich – Erwachsene
Ca. 50–150 ng/L (methodenabhängig).
Referenzbereich – Kinder
S. Erwachsene.
Indikation
Wichtigste Indikation sind die seltenen Glukagon-produzierenden Tumoren (Glukagonome), meist im Rahmen einer multiplen endokrinen Neoplasie Typ I. In der Abklärung von nicht neoplastischen Störungen des Glukosestoffwechsels spielt Glukagon praktisch keine Rolle.
Interpretation
Bei entsprechender Symptomatik sind erhöhte Glukagonwerte im Nüchternzustand verdächtig auf einen Glukagon-produzierenden Tumor. Ggf. können weitere intestinale regulatorische Peptide bestimmt werden.
Literatur
Jiang G, Zhang BB (2003) Glucagon and regulation of glucose metabolism. Am J Physiol Endocrinol Metab 284:E671–E678CrossRef
Kieffer TJ, Habener JF (1999) The glucagon-like peptides. Endocr Rev 20:876–913CrossRef