Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
K. J. Lackner und D. Peetz

Glukose im Urin

Synonym(e)
Urin-Glukose
Englischer Begriff
glucose in urine
Definition
Glukosekonzentration im Urin.
Struktur
Molmasse
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Funktion – Pathophysiologie
Glukose wird normalerweise sehr effizient tubulär rückresorbiert, sodass beim Gesunden nur wenig Glukose im Urin ausgeschieden wird. Bei Überschreiten der Rückresorptionskapazität bei ca. 160–180 mg/dL Blutglukose kommt es zu einer zunehmenden Glukosurie. Diese sog. Nierenschwelle kann individuell sehr variabel sein.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Probenstabilität
Glukose nimmt im Urin ohne entsprechende Zusätze relativ schnell ab, sodass die Bestimmung innerhalb von 2 Stunden erfolgen sollte.
Analytik
Uringlukose wird üblicherweise mit trockenchemischen Teststreifenverfahren bestimmt, die auf der Glukoseoxidase-Methode beruhen.
Konventionelle Einheit
mg/L.
Internationale Einheit
mmol/L.
Umrechnungsfaktor zw. konv. u. int. Einheit
0,00555.
Referenzbereich – Erwachsene
<0,83 mmol/L (<150 mg/L).
Referenzbereich – Kinder
S. Erwachsene.
Indikation
Wegen der geringen Sensitivität hat die Glukosebestimmung im Urin keinen Platz als Screeningtest in der Primärdiagnostik des Diabetes mellitus. Auch in der Verlaufskontrolle des Diabetikers ist sie wegen der hohen interindividuellen Variabilität der Nierenschwelle und der deshalb schlechten Korrelation zum Blutglukosewert gegenüber der Blutglukosebestimmung als obsolet anzusehen.
Interpretation
Erhöhte Glukosewerte im Urin sind nach Ausschluss von Störeinflüssen (peroxidhaltige Reinigungsmittel) immer ein Hinweis auf eine Hyperglykämie und sollten durch entsprechende Diagnostik abgeklärt werden.
Diagnostische Wertigkeit
Aufgrund der exzellenten Verfügbarkeit von Methoden zur Blutglukosebestimmung hat die Bestimmung der Glukose im Urin nur noch eine untergeordnete Bedeutung.
Literatur
Miedema K (2003) Laboratory tests in diagnosis and management of diabetes mellitus. Practical considerations. Clin Chem Lab Med 41:1259–1265CrossRef