Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
A. M. Gressner und O. A. Gressner

Gram-Färbung

Gram-Färbung
Synonym(e)
Färbung nach Gram
Englischer Begriff
Gram-staining; Gram‘s stain
Definition
Zur Differenzierung von Bakterien in Ausstrichen und Gewebeschnitten in grampositive (blau-violett) und gramnegative (rot) Subklassen eingesetztes, sequenzielles Färbeverfahren mit Gentianaviolett und Karbolfuchsin.
Beschreibung
Das von dem dänischen Bakteriologen Hans Christian Gram (1853–1938) um 1884 entwickelte Färbeverfahren erlaubt die Differenzierung von zwei Bakterienklassen aufgrund des unterschiedlichen Aufbaus ihrer Zellwand: Grampositive Bakterien besitzen eine dicke, mehrschichtige, äußere Mureinhülle (Peptidoglykan) (≤50 % des Trockengewichts der Hülle) mit einem ca. 30 %igen Teichonsäureanteil, in der sich der basische Anilinfarbstoff Gentianaviolett nach Komplexierung mit hinzugefügter Lugol-Lösung (wässrige Jod-Kaliumjodid-Lösung) sammelt und durch Ethanol nicht ausgewaschen wird (blau-violette Färbung). Gramnegative Bakterien hingegen besitzen keine Teichonsäure und eine dünne, einschichtige Mureinhülle (ca. 10 % des Trockengewichts der Hülle), aus welcher der blaue Farbstoffkomplex durch Ethanol herausgewaschen wird und nach finaler Zugabe einer Fuchsinlösung eine Rotfärbung annimmt.
Arbeitsschritte:
  • Färbung des hitzefixierten Ausstrichs mit Gentiana- oder Methylviolett,
  • Behandlung mit Lugol-Lösung,
  • Auswaschen mit absolutem Ethanol,
  • Gegenfärbung mit Karbolfuchsin,
  • Waschen mit Wasser.
Die Gram-Differenzierung ist von Bedeutung für die Erregerklassifizierung (z. B. grampositiv: Strepto-, Staphylo-, Enterokokken, Listerien, Clostridien; gramnegativ: E. coli, Shigellen, Salmonellen, Klebsiellen, Proteus, Neisserien, Rickettsien) und damit für die Festlegung einer geeigneten Auswahl von Antibiotika. Jedoch lassen sich nicht alle Bakterien in eine der beiden „Gram-Gruppe“ einteilen, da es gramvariable Arten gibt.
Literatur
Gram HC (1884) Über die isolierte Färbung der Schizomyceten in Schnitt- und Trockenpräparaten. Fortschr Med 2:185–189