Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
H. Baum

Hämoglobindifferenzierung

Hämoglobindifferenzierung
Englischer Begriff
hemoglobin differentiation
Definition
Differenzierung der einzelnen Hämoglobinvarianten durch physikalische oder chemische Methoden zum Nachweis normalerweise nicht oder nur in Spuren vorkommender Hämoglobine.
Beschreibung
Die Hämoglobindifferenzierung wird zur Erkennung physiologisch beim Erwachsenen nicht vorkommender Hämoglobine durchgeführt. Dabei kommen verschiedene physikalische und chemische Techniken zum Einsatz. Unterschieden werden dabei Methoden zum Trennen der im Blut enthaltenen Hämoglobine wie die Elektrophorese (Hämoglobinelektrophorese) im alkalischen oder sauren Milieu und der Nachweis einzelner Hämoglobine, wie z. B. die Methode nach Kleihauer-Bethge zur Erkennung von HbF-Zellen im Ausstrich. In der Tabelle sind die wichtigsten Differenzierungstechniken und ihre Einsatzgebiete zusammenfassend dargestellt:
Methode
Einsatz
Elektrophorese
Hämoglobinopathien (HbS, HbC, HbE etc.)
Chromatografie
HbA1c, HbA2
HPLC
HbA1c, HbA2
Säure-Elutionsmethode nach Kleinhauer-Betke
HbF-Zellen im Ausstrich
Alkalidenaturierung
HbF
Hb-Stabilitätstest
Nachweis instabiler Hämoglobine
HbS-Löslichkeitstest
Abgrenzung von HbS gegenüber in der Elektrophorese an selber Stelle wandernder Hämoglobine
HbS-Sichelzelltest
Nachweis der Sichelzellen unter Sauerstoffentzug
DNA-Analyse
Bei Ergebnislosigkeit von Proteinanalysemethoden
Literatur
Kohne E (2005) Hämoglobinopathien. In: Thomas L (Hrsg) Labor und Diagnose. Indikation und Bewertung von Laborbefunden für die medizinische Diagnostik, 6. Aufl. TH-Books, Frankfurt am Main, S S 499–S 506