Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
S. Holdenrieder und P. Stieber

Hepatocyte growth factor

Hepatocyte growth factor
Synonym(e)
HGF; scatter factor; Hepatozyten-Wachstumsfaktor
Englischer Begriff
hepatocyte growth factor
Definition
Der „hepatocyte growth factor“ (HGF) ist ein 92 kDa schweres, multifunktionelles Protein mit einem ausgeprägt mitogenen Effekt auf Hepatozyten.
Struktur
Der HGF besteht aus einer schweren (60 kDa) und einer leichten (32 kDa) Peptidkette. Er bindet an die Zelloberfläche über einen Tyrosinkinaserezeptor, der das Produkt des Protoonkogens c-met ist.
Molmasse
92 kDa.
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Ursprünglich wurde mit dem HGF ein Peptid isoliert, das an der Regeneration der Leber beteiligt ist und deren Funktionsfähigkeit nach Hepatektomie anzeigt. Der HGF wird von mesenchymalen Zellen sezerniert, induziert auf parakrinem Weg die Mitogenese verschiedener epithelialer Zellen und stimuliert die zelluläre Motilität. Darüber hinaus weist HGF angiogenetische und antiapoptotische Wirkung auf. Außerdem spielt HGF nach Freisetzung von Osteoklasten und Monozyten eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Knochenmetabolismus und der Hämatopoese.
Funktion – Pathophysiologie
Bei einer Reihe von malignen Erkrankungen werden erhöhte HGF-Konzentrationen im Serum gefunden. Aufgrund seiner Fähigkeit, Adhäsion und Migration von Tumorzellen zu unterstützen, fördert HGF die systemische Ausbreitung dieser Erkrankungen. Durch tumorspezifische Mutationen oder Amplifikation von HGF oder seines c-met-Rezeptors können diese Effekte zusätzlich verstärkt oder eine Resistenz gegen EGFR- und ALK-Inhibitoren verursacht werden. Die klinische Bedeutung der HGF-Bestimmung liegt vor allem im Therapiemonitoring, der frühzeitigen Rezidiverkennung und Prognose maligner Tumoren.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Serum, Plasma, Körperflüssigkeiten.
Konventionelle Einheit
ng/mL.
Referenzbereich – Erwachsene
Median 0,19 ng/mL (methodenabhängig).
Indikation
Therapiekontrolle, Nachsorge und Prognose beim hepatozellulären, Bronchial-, Blasen-, kolorektalen und Magenkarzinom, bei Non-Hodgkin-Lymphom, multiplen Myelom und Melanom möglich.
Interpretation
Die meisten HGF-Assays sind für die Anwendung im Serum und Plasma ausgetestet und können auch für die Bestimmung von HGF in anderen Körperflüssigkeiten eingesetzt werden.
Da HGF keine Organspezifität aufweist, ist bei allen soliden Tumorerkrankungen mit positiven Testergebnissen zu rechnen. Hohe Werte wurden u. a. bei hepatozellulären, Bronchial-, Blasen-, kolorektalen und Magenkarzinom, bei Non-Hodgkin-Lymphom, multiplen Myelom und Melanom beobachtet, insbesondere im fortgeschrittenen Stadium; erhöhte HGF- und MET-Werte im Plasma und Serum sind dabei mit rascher Erkrankungsprogression, Metastasierung, schlechtem Ansprechen auf zielgerichtete molekulare Therapien und einer ungünstigen Prognose assoziiert.
Ebenso können benigne Erkrankungen des pulmonalen, gastrointestinalen, urologischen und gynäkologischen Organsystems zu erhöhten Werten führen. Insbesondere können erhöhte HGF-Werte durch benigne Erkrankungen der Leberfunktion, z. B. Hepatitiden und cholestatische Lebererkrankungen sowie Einschränkungen der Nierenfunktion in Abhängigkeit von der glomerulären Filtrationsrate hervorgerufen werden.
Trotz der diagnostischen und differenzialdiagnostischen Limitierung kann die Bestimmung von HGF für die Verlaufsuntersuchung während und nach Therapie sowie für die Prognose bei den genannten Karzinomen sinnvoll sein.
Diagnostische Wertigkeit
Therapiekontrolle, Nachsorge und Prognose bei hepatozellulären, Bronchial-, Blasen-, kolorektalen und Magenkarzinom, bei Non-Hodgkin-Lymphom, multiplen Myelom und Melanom möglich.
Literatur
Matsumoto K, Umitsu M, De Silva DM et al (2017) Hepatocyte growth factor/MET in cancer progression and biomarker discovery. Cancer Sci 108:296–307CrossRefPubMedPubMedCentral
Yamagamim H et al (2002) Serum concentrations of human hepatocyte growth factor is a useful indicator for predicting the occurrence of hepatocellular carcinomas in c-viral chronic liver diseases. Cancer 95:824–834CrossRefPubMed