Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Stöcker

Herpes-simplex-Viren 1 und 2

Herpes-simplex-Viren 1 und 2
Synonym(e)
HHV-1; humanes Herpes-Virus 1; HHV-2; humanes Herpes-Virus 2
Englischer Begriff
Herpes simplex virus type 1 and type 2
Beschreibung des Erregers
Familie: Herpesviridae (behüllte Viren mit einer doppelsträngigen, linearen DNA als Genom); Unterfamilie: α-Herpesviridae; Gattung: Herpes-simplex-Virus; Spezies: Herpes-simplex-Virus-1 und -2 (HSV-1, HSV-2).
Der Begriff Herpes (griech.: „herpein“ = kriechen) beschreibt die Ausbreitung der Herpesläsionen der Haut.
Die Vertreter der Herpesviridae zählen bezüglich ihres Genoms und ihrer Morphologie zu den größten und komplexesten Viren. Die Herpes-simplex-Virionen (Durchmesser 140–180 nm) enthalten ein ikosaedrisches Kapsid (Durchmesser 100–110 nm). Dieses ist von etwa 20 Tegumentproteinen umkleidet und von einer äußeren Virushülle umgeben. Reservoir für Herpes-simplex-Viren ist ausschließlich der Mensch.
Erkrankungen
Herpes simplex ist durch Bläschen auf Haut und Schleimhaut gekennzeichnet. Herpes labialis wird häufiger durch HSV-1 und Herpes genitalis überwiegend durch HSV-2 verursacht. Nach einer Erstinfektion, die häufig symptomlos oder als Stomatitis aphthosa abläuft, verbleibt das Virus in einem Ruhezustand (Latenzort: sensorische Nervenganglien) stets lebenslang im Organismus (persistierende Infektion).
Die Erkrankung ist weltweit verbreitet und verläuft in der Regel ohne schwere Krankheitssymptomatik. Selten, aber schwerwiegend sind die Herpes-simplex-Enzephalitis und der Herpes neonatorum bei Neugeborenen (Ansteckung im Geburtskanal). Die Durchseuchung der Bevölkerung mit HSV-1 beträgt 70–90 %, mit HSV-2 lediglich 10–20 %.
Für die HSV-Therapie stehen mehrere, hauptsächlich lokal anzuwendende Virostatika zur Verfügung, z. B. Acyclovir und dessen Derivate.
Analytik
Direktnachweis: Die klassische Virusisolierung auf Zellkulturen mit anschließender Typisierung über spezifische monoklonale Antikörper ist sehr zeitaufwendig (Kultivierung über mehrere Tage). Immunfluoreszenztests zum Direktnachweis virusspezifischer Antigene liefern innerhalb kurzer Zeit ein Ergebnis, gelten jedoch als nur eingeschränkt sensitiv und spezifisch. Der Nukleinsäurenachweis mittels PCR (Polymerase-Kettenreaktion) ist der Goldstandard für die Diagnose einer akuten HSV-Infektion.
Serologie: Nachweis HSV-spezifischer Antikörper über Komplementbindungsreaktion (KBR), indirekte Immunfluoreszenz (Immunfluoreszenz, indirekte) sowie Enzymimmunoassay. Virustyp-spezifische Serologie mit ELISA (Enzyme-linked Immunosorbent Assay) oder Immunblot auf der Basis der Glykoproteine C-1 und G-1 für HSV-1 sowie Glykoprotein G-2 für HSV-2 möglich (s. Abbildungen).
Kombination Linien- (gG 2) mit Western-Blot: Antikörper gegen Herpes-simplex-Viren (a positive Reaktion für HSV-1, b positive Reaktion für HSV-2):
Indirekte Immunfluoreszenz: Antikörper gegen Herpes-simplex-Viren:
Untersuchungsmaterial – Probenstabilität
Direktnachweis und Kultur: Untersucht werden Bläschenabstriche, verdächtige Sekrete (z. B. Vaginalsekret), Biopsiematerial, Liquor oder EDTA-Blut. Das Material sollte bis zur Weiterverarbeitung bei +4 bis +8 °C aufbewahrt werden. Direktnachweise sind innerhalb von 24 Stunden durchzuführen, Kulturen innerhalb von 6 Stunden anzulegen. Material für die Virusisolierung ist gekühlt zu transportieren.
Serologie: Serum oder Plasma für den Nachweis der Antikörper sind bei +4 °C bis zu 2 Wochen lang beständig, bei −20 °C über Monate und Jahre hinweg. Zur Tiefkühlkonservierung des IgM kann man den Proben 80 % gepuffertes Glyzerin beifügen.
Diagnostische Wertigkeit
Gängige Methode zur Diagnose einer akuten HSV-Infektion ist der direkte Virusnachweis über PCR, insbesondere in dringlichen Fällen wie der Herpes-simplex-Enzephalitis. Alternativ gilt eine nachgewiesene Anti-HSV-IgG-Serokonversion als Beleg für eine akute Primärinfektion. Für die Beurteilung des Risikos eines Herpes neonatorum in der Schwangerschaft sowie für epidemiologische Studien ist die Typ-spezifische Antikörperbestimmung durch ELISA oder Immunblot von Bedeutung. Eine Unterscheidung zwischen akuter Primärinfektionen und einem Rezidiv ist nur über die Kombination aus PCR und Serologie an einer Serumprobe aus der Frühphase der Infektion möglich.
Literatur
Ashley RL, Militoni J, Lee F, Nahmias A, Corey L (1988) Comparison of Western blot (immunoblot) and glycoprotein G-specific immunodot enzyme assay for detecting antibodies to herpes simplex virus types 1 and 2 in human sera. J Clin Microbiol 26:662–667PubMedPubMedCentral
Sauerbrei A (2014) Diagnostik und antivirale Therapie von Herpes-simplex-Virus-Infektionen. Mikrobiologe 24:151–158
World Health Organization. Media Centre (2017) Herpes simplex virus. Factsheet. Latest update Jan 2017. http://​www.​who.​int/​mediacentre/​factsheets/​fs400/​en/​. Zugegriffen am 23.05.2017