Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Stöcker

Humane Herpes-8-Viren

Humane Herpes-8-Viren
Synonym(e)
Human herpes virus type 8
Beschreibung des Erregers
Das humane Herpes-Virus 8, erstmals im Jahr 1994 beschrieben, wird aufgrund seiner Entdeckung im Gewebe von Kaposi-Sarkomen auch als Kaposi-Sarkom-Herpes-Virus (KSHV) bezeichnet. HHV-8 infiziert in erster Linie B-Lymphozyten, die auch den Ort der Latenz darstellen.
HHV-8 gehört zur Familie Herpesviridae (behüllte Viren mit einer doppelsträngigen, linearen DNA als Genom), Unterfamilie γ-Herpesvirinae, Gattung Rhadino-Virus. Die Virionen (Durchmesser 140 nm) bestehen aus einem ikosaedrischen Kapsid, das von Tegumentproteinen umkleidet und von einer äußeren Virushülle umgeben ist. Reservoir für HHV-8 ist ausschließlich der infizierte Mensch, der das Virus auch asymptomatisch ausscheiden kann.
Erkrankungen
Die Primärinfektion des Mund- und Rachenraums mit HHV-8 verläuft bei Immungesunden in den meisten Fällen asymptomatisch, gelegentlich treten Fieber oder ein Exanthem auf. HHV-8 ist ätiologisch an der Entstehung des Kaposi-Sarkoms beteiligt, an dem bevorzugt AIDS-Patienten erkranken. Zudem scheinen verschiedene seltene lymphoproliferative Erkrankungen, z. B. das primäre Ergusslymphom (PEL) und eine Variante der multizentrischen Castleman-Erkrankung (MCD), mit dem Virus assoziiert zu sein. Das Virus wird insbesondere durch Speichel und auf sexuellem Weg übertragen. Die Durchseuchung in Deutschland ist im Vergleich zu anderen Herpes-Viren mit 1–8 % niedrig, in Afrika liegt die Seroprävalenz bei 50 %.
Analytik
Direkter Erregernachweis mittels PCR (Polymerase-Kettenreaktion). Der immunhistochemische Nachweis von HHV8-LNA („latent nuclear antigen“) in formalinfixiertem, paraffineingebettetem Material ist ebenfalls möglich. Antikörperdiagnostik mittels indirekter Immunfluoreszenz (Immunfluoreszenz, indirekte) oder Enzyme-linked Immunosorbentassay.
Untersuchungsmaterial – Probenstabilität
Direktnachweis und Kultur: Untersucht werden Speichel, Blut sowie Biopsien aus Kaposi-Sarkomen. Das Material sollte bis zur Weiterverarbeitung bei +4 bis +8 °C aufbewahrt werden. Direktnachweise sind innerhalb von 24 Stunden durchzuführen, Kulturen innerhalb von 6 Stunden anzulegen. Bei längerer Transportzeit ist das Material einzufrieren.
Serologie: Serum oder Liquor für den Nachweis der Antikörper sind bei +4 °C bis zu 2 Wochen lang beständig, bei −20 °C über Monate und Jahre hinweg. Zur Tiefkühlkonservierung des IgM kann man den Proben 80 % gepuffertes Glyzerin beifügen.
Diagnostische Wertigkeit
Wenn es gilt, eine Infektion mit HHV-8 festzustellen, zeigen Speichelproben für den direkten Erregernachweis die höchste Sensitivität. Für die Diagnostik HHV-8-assoziierter Erkrankungen muss Biopsiematerial eingesetzt werden, eine negative PCR aus suspektem Tumorgewebe spricht gegen ein Kaposi-Sarkom. Ein positiver Anti-HHV-8-IgG-Befund kann den Verdacht einer HHV-8-Infektion oder einer damit assoziierten Krankheit bestätigen, ein negativer Befund schließt eine Infektion nicht aus.
Literatur
Chang Y, Cesarman E, Pessin MS, Lee F, Culpepper J, Knowles DM, Moore PS (1994) Identification of herpesvirus-like DNA sequences in AIDS-associated Kaposi’s sarcoma. Science 266:1865–1869CrossRefPubMed
Edelman DC (2005) Human herpesvirus 8 – a novel human pathogen. Virol J 2:78. ReviewCrossRefPubMedPubMedCentral