Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
R. Westermeier

Immundiffusion, radiale nach Mancini, Carbonara und Heremans

Immundiffusion, radiale nach Mancini, Carbonara und Heremans
Synonym(e)
Einfache Radialimmundiffusion; Mancini-Technik
Englischer Begriff
Mancini radial immunodiffusion
Definition
Bei der radialen Immundiffusion nach Mancini, Carbonara und Heremans werden die antigenhaltigen Proben in runde gestanzte Löcher einer antikörperhaltigen Agarosegelschicht einpipettiert. Die Antigene diffundieren kreisförmig in das Gel. Dabei entstehen Präzipitatringe, deren Durchmesser (zum Quadrat erhoben) proportional zur Antigenmenge in der Probe sind.
Physikalisch-chemisches Prinzip
Die einfache radiale Immundiffusion nach Mancini, Carbonara und Heremans ist eine Immunpräzipitationsmethode (s. Immunpräzipitation) zur quantitativen Bestimmung von Antigen in einer Probe. Hierzu gießt man ein antikörperhaltiges Agarosegel (s. Agarosegelelektrophorese) in eine Petrischale oder auf eine Glasplatte. Nach dem Erkalten stanzt man Löcher mit 1–2 mm Durchmesser 1–2 cm voneinander entfernt in die Schicht und befüllt diese mit den Probenlösungen. Es entstehen kreisförmige Präzipitinzonen, die im Antikörpergel durch die Diffusion nach außen wandern. Die Flächen der Präzipitinkreise sind proportional zur jeweiligen Antigenmenge. Nach einigen Tagen ist der Gleichgewichtspunkt erreicht: Die Kreise bleiben konstant. Am Äquivalenzpunkt stoppt die Diffusion, und es bilden sich deutliche Präzipitatringe aus (Abb. 1).
Während der Diffusion der Präzipitinkreise in das antikörperhaltige Gel verringert sich die Antigenkonzentration. Wenn das Antigen genügend verdünnt ist, bildet sich in der Äquivalenzzone an der Front ein unlösliches Präzipitat aus. Somit ist die Kreisfläche proportional zur Antigenkonzentration.
Es ist wichtig, polyklonale Antikörper (Immunglobuline, polyklonale) zu verwenden, da monoklonale Antikörper (Immunglobulin, monoklonales) keine dreidimensionalen Immunkomplexe bilden.
Bei Antigengemischen bilden sich in Abhängigkeit von der Antigenanzahl mehrere Präzipitatkreise, deren Flächen jeweils proportional zur Konzentration sind.
Die Präzipitatringe werden nach Auswaschung der Antikörper mit physiologischer Salzlösung mit Coomassie-Färbung detektiert.
Untersuchungsmaterial
Instrumentierung
Man benötigt Glasplatten oder Petrischalen und eine Stanze, die an ein Vakuum- oder eine Wasserstrahlpumpe angeschlossen ist.
Spezifität
Die Spezifität ist abhängig von der Qualität des Antikörpers. Bei hoher Qualität ist sie sehr hoch.
Sensitivität
Die Empfindlichkeit liegt im μg-Bereich der Antigenkonzentrationen. Die Empfindlichkeit der Coomassie-gefärbten Immunpräzipitate liegt bei 18 ng/mm2.
Fehlermöglichkeit
Die Immunpräzipitatringe sind bei der einfachen radialen Immundiffusion nicht stabil, da die Antikörperkonzentration im Gel konstant ist. Es muss also der richtige Zeitpunkt zur Auswertung eingehalten werden.
Praktikabilität – Automatisierung – Kosten
Es gibt keine Automatisierung. Es werden hohe Mengen an Antikörpern benötigt, daher sind die Kosten hoch.
Literatur
Mancini G, Carbonara AO, Heremans JF (1965) Immunochemical quantitation of antigens by single radial immunodiffusion. Immunochemistry 2:235CrossRef