Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
H. Renz und B. Gierten

Immunfixation

Immunfixation
Synonym(e)
Immunfixationselektrophorese; IFE
Englischer Begriff
immunofixation (electrophoresis)
Definition
Qualitativer Test zur Darstellung von Immunglobulinen mittels Antiseren gegen Fc-Teile zur Identifikation der Immunglobulinklassen und Antiseren gegen Leichtketten zur Identifikation des Leichtkettentyps. Nachfolgend ist als Beispiel für eine Immunfixation aus Serum der Nachweis von monoklonalem IgG lambda (s. Pfeile in der Abbildung) dargestellt:
Physikalisch-chemisches Prinzip
Proteine in Serum oder Urin werden elektrophoretisch in basischem Milieu auf einem Agarosegel (Agarosegelelektrophorese) aufgetrennt. Sie werden anschließend fixiert und mit Antiserum inkubiert. Das Antiserum präzipitiert die Proteine im Gel. In einem anschließenden Waschschritt werden die nicht präzipitierten Proteine aus der Probe entfernt. Die verbleibenden Komplexe aus Immunglobulin(-bruchstücken) und Antiseren werden mit einem Proteinfarbstoff (z. B. Ponceaurot-Färbung, Amidoschwarz-Färbung, Coomassie-Färbung) angefärbt.
Die eingesetzten Antiseren sind gegen die Fc-Teile der Immunglobuline gerichtet, um deren Klassenzugehörigkeit zu ermitteln. Zusätzlich werden Antiseren gegen Kappa-Ketten und Lambda-Ketten verwendet, die vorliegende Leichtketten (Leichtketten (freie, gebundene)) identifizieren können.
Polyklonal gebildete Immunglobuline stellen sich als diffus angefärbte Präzipitatzonen dar. Monoklonale Immunglobuline dagegen bilden scharf begrenzte Banden mit hoher Farbintensität. Deren Immunglobulinklasse und Leichtkettentyp sind an den scharf begrenzten Banden, die sich auf derselben Höhe auf der Folie befinden, zu charakterisieren.
Oligoklonale Gammopathien sind durch Darstellung von mindestens 3 schmalen Banden definiert.
Bence-Jones-Proteine, also Leichtketten, im Urin werden als schmale Präzipitatbande im Bereich des Leichtkettenantiserums dargestellt. Im Urin ausgeschiedene polyklonale Immunglobulinmoleküle zeigen Banden in den Bereichen einer oder mehrerer Schwerkettenantiseren sowie der beiden Leichtkettenantiseren.
Einsatzgebiet
Darstellung und Identifizierung monoklonaler Immunglobuline in Serum und Urin z. B. bei Myelom, Plasmozytom, Amyloidose.
Untersuchungsmaterial
Serum, Urin.
Instrumentierung
Elektrophoresekammer, Blotsystem.
Fehlermöglichkeit
Sehr geringe Ausscheidungsmengen (<20 mg/L) können übersehen werden.
Immunkomplexe verbleiben bei der elektrophoretischen Auftrennung an der Auftragsstelle, sie binden dort die Leichtkettenantiseren und können so fälschlich als Leichtketten identifiziert werden.
Bewertung – Methodenhierarchie (allg.)
Immunfixation stellt eine sensitive Methode zur qualitativen Beurteilung bestimmter Dysproteinämien dar. Quantitative Aussagen anhand der Farbintensität der dargestellten Proteinbanden sind wegen der nicht konzentrationsabhängigen Proteinfärbung nur in sehr begrenztem Maße möglich. Sie können durch den Einsatz spezifischer Antikörper gegen freie Leichtketten immunnephelometrisch getroffen werden.
Die Immunfixation bietet einen eindeutigen Nachweis der Monoklonalität isoliert nachgewiesener Immunglobulinketten. Eine Aussage, die im immunnephelometrischen Test nicht getroffen werden kann. Empfehlenswert ist daher zum Nachweis einer monoklonalen Gammopathie die einmalige parallele Durchführung einer Immunfixation in Serum und Urin. Verlaufskontrolle und Therapieüberwachung sollten jedoch wegen der quantitativen Aussagemöglichkeit immunnephelometrisch durchgeführt werden.
Literatur
Baus M, Müller T et al (1986) Immunfixations-Elektrophorese zum Nachweis monoklonaler Gammopathien: Durchführung, Interpretation, Fehlermöglichkeiten. Lab Med 10:192–200
Renz H (Hrsg) (2003) Integrative Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin. Pathophysiologie, Pathobiochemie, Hämatologie. De Gruyter, Berlin/New York
Thomas L (Hrsg) (2005) Labor und Diagnose. Indikation und Bewertung von Laborbefunden für die medizinische Diagnostik, 6. Aufl. TH-Books, Frankfurt am Main, S 1089