Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
H. Renz und B. Gierten

Immunglobulin-G-Subklassen

Immunglobulin-G-Subklassen
Synonym(e)
Englischer Begriff
IgG subclasses
Definition
Antikörper der Immunglobulinklasse G, der durch unterschiedliche γ-Schwerketten definiert wird.
Struktur
 
IgG1
IgG2
IgG3
IgG4
h-Kette
γ1
γ2
γ3
γ4
l-Kette
κ oder λ
κ oder λ
κ oder λ
κ oder λ
Molmasse
IgG1, IgG2, IgG4 je 150 kDa, IgG3 170 kDa.
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Synthese Immunglobulin G.
IgG-Subklassen (IgG1–IgG4) unterscheiden sich insbesondere im Bereich der Hinge-Region in Anzahl und Position der Disulfidbrückenbindungen, die Schwer- und Leichtketten miteinander verbinden. Innerhalb der übrigen Schwerketten betragen die Aminosäuresequenzunterschiede lediglich ca. 5 %.
Halbwertszeit
IgG1 21 Tage, IgG2 20 Tage, IgG3 7 Tage, IgG4 21 Tage. IgG3 wird bei gleicher Syntheserate schneller proteolytisch abgebaut.
Funktion – Pathophysiologie
Die Synthese bestimmter IgG-Subklassen richtet sich nach Art des eindringenden Antigens, Eintrittspforte und Expositionsdauer. IgG1 und IgG3 werden bevorzugt zur Elimination proteinhaltiger Antigene von Viren gebildet. Als Surrogatmarker für die Produktion von IgG1 können vor allem die Impfantikörper gegen Tetanustoxoid dienen. Die Polysaccharide bekapselter Erreger, wie z. B. H. influenzae oder Pneumokokken, regen dagegen die Bildung von IgG2 an.
Pathophysiologisch von Bedeutung sind bestimmte IgG-Subklassen-Defizienzen, die durch bestimmte klinische Symptome auffällig werden (s. Indikation). Am besten charakterisiert ist die IgG2-Defizienz, die gelegentlich auch zusammen mit IgG4-Defizienz auftritt. IgG4 erkennt vor allem Umweltallergene. Weitere Eigenschaften vgl. Tab. 1.
Tab. 1
Eigenschaften IgG-Subklassen
 
IgG1
IgG2
IgG3
IgG4
Plazentatransfer
++
+
++
Komplementaktivierung
Klassischer Weg
++
+
++
Alternativer Weg
+
+
+
+
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Serum, EDTA- oder Heparin-Plasma, Körperflüssigkeiten.
Probenstabilität
Konventionelle Einheit
g/L
Internationale Einheit
g/L
Referenzbereich – Frauen
Serum:
Alter (Jahre)
IgG1
IgG2
IgG3
IgG4
>18
2,8–8,0
1,15–5,70
0,24–1,25
0,052–1,25
Referenzbereich – Männer
Serum:
Alter (Jahre)
IgG1
IgG2
IgG3
IgG4
>18
2,8–8,0
1,15–5,70
0,24–1,25
0,052–1,25
Referenzbereich – Kinder
Serum:
Alter (Jahre)
IgG1
IgG2
IgG3
IgG4
0,5–1
1,4–6,2
0,41–1,3
0,11–0,85
0,00–0,008
1–1,5
1,7–6,5
0,4–1,4
0,12–0,87
0,00–0,255
1,5–2
2,2–7,2
0,5–1,8
0,14–0,91
0,00–0,408
2–3
2,4–7,8
0,55–2,0
0,15–0,93
0,006–0,689
3–4
2,7–8,1
0,65–2,2
0,16–0,96
0,012–0,938
4–6
3,0–8,4
0,7–2,55
0,17–0,97
0,017–1,157
6–9
3,5–9,1
0,85–3,3
0,2–1,04
0,03–1,577
9–12
3,7–9,3
1,0–4,0
0,22–1,09
0,043–1,9
12–18
3,7–9,1
1,1–4,85
0,24–1,16
0,052–1,25
Indikation
  • Häufige Infektionen in den oberen und tiefen Atemwegen
  • Rezidivierende Diarrhö besonders in Zusammenhang mit bronchopulmonalen Erkrankungen
  • IgA-Mangel
  • Antikörpermangelsyndrome
  • Autoimmunerkrankungen
Interpretation
Ergebnisse von IgG-Subklassenbestimmungen müssen in engem Zusammenhang mit den klinischen Symptomen interpretiert werden. Man sollte die Diagnose nicht auf eine Einzelbestimmung stützen, da die IgG-Subklassen-Konzentrationen in vivo zahlreichen Einflussfaktoren, wie Infektionen, Operationen etc., unterliegen.
Wie aus den Referenzwerten ersichtlich, sind die prozentualen Anteile der einzelnen Subklassen am Gesamt-IgG sehr unterschiedlich. Man kann daher bei normalem Gesamt-IgG keine Aussage über einen eventuellen Mangel an einer oder mehreren Subklassen machen.
Diagnostische Wertigkeit
Mangel an einer oder mehreren IgG-Subklassen tritt häufig in der Bevölkerung auf. Die Signifikanz eines nachgewiesenen Mangels ohne klinische Symptome ist von eher untergeordneter Bedeutung.
Literatur
Herrod HG (1993) Clinical significance of IgG subclasses. Curr Opin Pediatr 5:696–699CrossRefPubMed
Schauer U et al (2003) IgG subclass concentrations in certified reference material 470 and reference values for children and adults determined with the binding site reagents. Clin Chem 49:1924–1929CrossRefPubMed