Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
H. Renz und B. Gierten

Immunglobulin M

Immunglobulin M
Synonym(e)
IgM
Englischer Begriff
immunoglobulin M
Definition
Antikörper der Immunglobulinklasse M, die durch die μ-Schwerkette definiert wird.
Struktur
2κ2)5 oder (μ2λ2)5. IgM-Pentamer:
Molmasse
970 kDa.
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Das IgM-Molekül besteht aus μ-Ketten und entweder κ- oder λ-Ketten, die in B-Zellen getrennt voneinander synthetisiert werden. Im Rahmen der B-Zell-Reifung sind μ-Ketten die ersten im Zytoplasma nachweisbaren Immunglobulinketten. Nach Synthese der IgM-Monomere, werden diese mit einer J-Kette zum Pentamer verbunden. Die J-Kette besteht aus 137 Aminosäuren mit einem Gewicht von 17,6 kDa. Die humane Gensequenz ist auf Chromosom 4q21 kodiert. Zusätzlich enthalten die IgM-Pentamere eine Bindungsstelle für den polymeren Immunglobulinrezeptor („secretory component“), der den aktiven Transport des Moleküls durch die Epithelzellen sekretorischer Schleimhäute ermöglicht.
IgM ist in 2 Subklassen nachgewiesen, die sich im Bereich der Hinge-Region der Schwerketten geringfügig unterscheiden. Bisher fehlen jedoch Erkenntnisse über die pathophysiologische Bedeutung der Subtypen.
Der Abbau von IgM ist unabhängig von der Serumkonzentration.
Halbwertszeit
5 Tage.
Funktion – Pathophysiologie
IgM wird als erstes Immunglobulin im Rahmen der Primärantwort auf Infektionen gebildet. Die wesentliche Aufgabe besteht in Agglutination der Erreger und der Aktivierung des klassischen Weges des Komplementsystems. Von den vorhandenen 10 Valenzen können jedoch aufgrund sterischer Behinderungen nur 5 besetzt werden.
IgM-Monomere sind zusammen mit IgD auf der Oberfläche von B-Zellen nachweisbar, sie funktionieren dort als Antigenrezeptoren.
Fetale IgM-Bildung ist ab etwa der 20. Woche nachweisbar. Der Serumspiegel steigt ab dem Zeitpunkt der Geburt stark an und erreicht bei 1- bis 2-jährigen Kindern in etwa den Wert von Erwachsenen.
Weitere wichtige Eigenschaften des Moleküls vgl. Tab. 1.
Tab. 1
IgM-Eigenschaften
 
Syntheserate (mg/kg KG/Tag)
Komplementfixierung
Opsonisierung
Bakterienlyse
Viruslyse
Fc-Bindung an Makrophagen
Neutrophile
Plazentatransfer
IgG
7
+++ (klassischer Weg)
+++
+++
+
+
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Serum, EDTA- oder Heparin-Plasma, Liquor, andere Körperflüssigkeiten.
Probenstabilität
Serum: Raumtemperatur 7 Tage, 4–8 °C 3 Monate, −20 °C 6 Monate.
Konventionelle Einheit
g/L.
Internationale Einheit
g/L.
Referenzbereich – Erwachsene
0,4–2,3 g/L.
Liquor: <0,005 g/L.
Referenzbereich – Kinder
Liquor: <0,005 g/L. Serum:
Alter
IgM (g/L)
<1 Monat
0,1–0,3
1–3 Monate
0,1–0,7
4–12 Monate
0,2–1,0
1–2 Jahre
0,4–1,4
3–5 Jahre
0,4–1,6
6–13 Jahre
0,4–2,3
Indikation
Interpretation
IgM ist die spezifische Primärantwort des Immunsystems auf Erstinfektionen bakterieller oder viraler Genese. Der Nachweis bakterien- oder virenspezifischer IgM-Antikörper dient somit zum Nachweis einer frischen Infektion. Produktion und somit auch der Nachweis spezifischer Antikörper gelingen bereits ca. 1 Woche nach Infektion.
Diagnostische Wertigkeit
Diagnostik intrauterin erworbener Infektionen kann mittels Nachweis IgM-spezifischer Antikörper betrieben werden, weil IgM nicht plazentagängig ist, Feten jedoch in geringem Maße IgM bilden können.
Literatur
Cruise JM, Lewis RE (1999) Atlas of immunology. Springer, Berlin/Heidelberg/New York, S 114–116