Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
K. Kleesiek, C. Götting, J. Diekmann, J. Dreier und M. Schmidt

Indian-(IN-)Blutgruppensystem

Indian-(IN-)Blutgruppensystem
Synonym(e)
CD44; ISBT Collection 203
Englischer Begriff
Indian blood group system
Definition
Das Indian-(IN-)Blutgruppensystem befindet sich auf einem 80-kDa-Typ-I-Membranglykoprotein, das als CD44-Antigen bekannt ist (auch „lymphocyte homing receptor“, „human hyaluronate receptor“).
Beschreibung
Das IN-Protein ist stark glykosyliert (N- und O-Glykan) und trägt eine potenzielle Chondroitinsulphat-Attachment-Site. Das In-Antigen trägt 3 intramolekulare Disulfidbrücken im extrazellulären Teil des Proteins, wodurch seine Sensitivität gegenüber DTT erklärbar ist.
Es handelt sich um ein Adhäsionsmolekül, das an verschiedene Komponenten der extrazellulären Matrix bindet. Es ist in Zell-Zell-Interaktionen, Zelladhäsion und Zellmigration involviert. Das Glykoprotein ist ein Rezeptor für Hyaluronsäure und kann mit anderen Liganden wie Osteopontin, Kollagenen und Matrixmetalloproteinasen interagieren.
Verschiedene Isoformen wurden in unterschiedlichen Geweben nachgewiesen, wobei die 80-kDa-Form in hämopoetischen und lymphoiden Geweben vorherrscht.
Derzeit sind nur 2 antithetische Antigene mit Ina (IN1, ISBT 023.001) und Inb (IN2, ISBT 023.002) beschrieben. Die Indian-Antigene sind sensibel gegenüber den Proteasen Ficin, Papain und Bromelin.
Antikörper gegen Indian-Antigene können zu einer verminderten Halbwertszeit der Erythrozyten führen, wobei moderate hämolytische Transfusionsreaktionen beschrieben sind. Anti-Indian-Antikörper können zu einer Beladung neonataler Erythrozyten führen (positiver direkter Antihumanglobulintest), führen klinisch aber nicht zu einem Morbus haemolyticus neonatorum (Mhn; s. Morbus haemolyticus fetalis/neonatorum).