Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
H. Baum

Kernschatten

Kernschatten
Englischer Begriff
nuclear shadow
Definition
Im Ausstrich- oder Quetschpräparat nachweisbares, schwach eosinophiles Gebilde, das zerstörten Zellen oder deren Kernen entspricht, die gehäuft bei Vorliegen mechanisch instabiler Zellen auftreten.
Beschreibung
Beim Ausstreichen von Blut oder Gewebematerial (z. B. Knochenmark) auf einem Objektträger kann es aufgrund von Scherkräften an der Kante des Ausstrichplättchens zur Zerstörung von Zellen kommen. Die Kerne oder Zellreste sind in der Färbung nach Pappenheim dann als schwach eosinophile Gebilde nachweisbar. Die Zuordnung zu einer definierten Zellpopulation ist in der Regel jedoch nicht möglich.
Kernschatten werden häufig gefunden bei der Ausschwemmung niedrig maligner Non-Hodgkin-Lymphome, akuten Leukämien, aber auch bei akuten Virusinfektionen, Sepsis oder älteren Blutproben.
Bei der morphologischen Differenzierung sollen die Kernschatten als eigene Population mitgezählt werden, da sonst der Anteil der mechanisch stabilen Zellen überschätzt und die der mechanisch instabilen Zellen unterschätzt wird. Die semiquantitative Angabe mit „wenig“, „viel“ und „sehr viel“ sollte nicht mehr verwendet werden (Gumprecht-Kernschatten).
Literatur
Kernschatten im Blutausstrich (2001) Empfehlungen der Arbeitskreise „Laboratorium“ der DGHO (www.​dgho.​de) und ÖGHO (www.​oegho.​at) zum Thema Morphologie