Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
K. J. Lackner und D. Peetz

Kobaltbindungsassay, Albumin

Kobaltbindungsassay, Albumin
Synonym(e)
Ischämie-modifiziertes Albumin; IMA
Englischer Begriff
albumin cobalt binding assay; ischemia modified albumin
Definition
Test zur Bestimmung der Kobalt-(II)-Bindungskapazität des Ischämie-modifizierten Albumins, eine als biochemische Kenngröße der myokardialen Ischämie empfohlene strukturelle Modifikation des N-Terminus von Albumin, die sich durch eine verminderte Bindung von Kobalt und Nickel charakterisieren lässt.
Physikalisch-chemisches Prinzip
Durch Einwirkung freier Radikale, die in ischämischem Gewebe gebildet werden, wird im Blut sog. Ischämie-modifiziertes Albumin (IMA) gebildet. Dieses weist im Gegensatz zu nativem Albumin eine reduzierte Bindungskapazität der N-terminalen Aminosäuresequenz für Übergangsmetalle auf. Die Messung der IMA-Konzentration beruht auf der Zugabe einer definierten Menge Kobalt (II) zu einer Patientenprobe. Bei nichtischämischen Patienten bindet natives Albumin einen Großteil des zugegebenen Kobalts. Im Serum von Patienten mit einem ischämischen Ereignis wird dagegen weniger Kobalt vom Ischämie-modifizierten Albumin gebunden. Mit zugegebenem Dithiothreitol reagiert dann ungebundenes Kobalt (II) zu einem Farbkomplex, der fotometrisch bei 500 nm quantifiziert werden kann.
Einsatzgebiet
Bisher kein etabliertes Indikationsgebiet. In Studien wird der Test zur Frühdiagnose einer Ischämie beim akuten Koronarsyndrom eingesetzt. Konzentrationsanstiege sind in humanen, experimentellen Modellen innerhalb von Minuten nachweisbar, Maxima werden nach 2–4 Stunden, der Normbereich nach 6 Stunden wieder erreicht. Andere Erkrankungen, die mit Gewebsischämie oder oxidativem Stress einhergehen.
Untersuchungsmaterial
Serum.
Probenstabilität
2 Stunden bei 20 °C und 4 °C, mind. 18 Tage bei −20 °C.
Instrumentierung
An verschiedenen klinisch-chemischen Analysatoren adaptierter, voll automatisierter Test.
Referenzbereich – Erwachsene
Die obere Referenzbereichsgrenze liegt bei 80 U/L (95 %-Perzentil eines Referenzkontrollkollektivs).
Spezifität
69 % (ermittelt an einem Kollektiv von 224 Patienten mit Verdacht auf akutes Koronarsyndrom innerhalb der ersten 3 Stunden nach Symptombeginn). Negativer prädiktiver Wert: 96 %.
Sensitivität
80 % (Metaanalyse von 1612 Patienten mit akuter Symptomatik zur Abklärung eines akuten Koronarsyndroms in der Notaufnahme; negativ prädiktiver Wert 91 %); bei nicht diagnostischem EKG und negativem Troponin: 94,4 % Sensitivität, negativ-prädiktiver Wert 97,1 %.
Fehlermöglichkeit
Albuminkonzentrationen von <20 oder >55 g/L.
Praktikabilität – Automatisierung – Kosten
Einfach und schnell durchzuführender Test.
Bewertung – Methodenhierarchie (allg.)
Gering verbreiteter Ischämietest, dessen praktische Relevanz z. B. in der Herzinfarktdiagnostik im Vergleich zu spezifischen Markern bisher nicht belegt werden konnte.
Literatur
Collinson PO, Gaze DC (2008) Ischemia-modified albumin: clinical utility and pitfalls in measurement. J Clin Pathol 61:1025–1028CrossRef
Peacock F, Morris DL, Anwaruddin S et al (2006) Meta-analysis of ischemia-modified albumin to rule out acute coronary syndromes in emergency department. Am Heart J 152:253–262CrossRef