Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
A. M. Gressner und O. A. Gressner

Kollagenpeptidase

Kollagenpeptidase
Synonym(e)
KP
Englischer Begriff
collagen peptidase
Definition
Kollagenpeptidase (KP) ist eine in verschiedenen Geweben (nicht nur Leber) vorkommende, wahrscheinlich lysosomale Proteinase, deren Aktivität im Serum bei chronisch aktiven, fibrosierenden Lebererkrankungen erhöht ist und für dieses Erkrankungsspektrum diagnostisch eingesetzt wurde.
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Für die KP ist ein physiologisches Substrat noch nicht bekannt. Natives Kollagen wird nicht abgebaut, weshalb seine Bedeutung für die Kollagenolyse unklar bleibt.
Funktion – Pathophysiologie
Deutliche Aktivitätserhöhungen dieser Proteinase finden sich in der Leber und im Serum bei chronisch aktiven Hepatitiden und manifesten Zirrhosen.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Probenstabilität
Bei −20 °C ist die Enzymaktivität über mehrere Wochen stabil.
Analytik
Die Messung der katalytischen Aktivität erfolgt über die Abspaltung des chromophoren PZ-Pro-Leu-Fragments aus einem analog zum apolaren Bereich der Kollagenkette synthetisierten PZ-Peptid (p-Phenylazobenzyloxycarbonyl-Pro-Leu-Gly-Pro-D-Arg). Das chromophore Fragment wird bei 334 nm photometrisch gemessen.
Die KP-Aktivität wird in CU (Kollagenpeptidase-Units: μM bei pH 7,2 gespaltenes Substrat/L Serum/h) angegeben.
Referenzbereich – Erwachsene
55 ± 10 CU (sehr stark methodenabhängig).
Indikation
Diagnose und Verlaufskontrolle fibroproliferativer Lebererkrankungen (chronisch aktive Hepatitiden, Leberzirrhose).
Interpretation
Deutliche Aktivitätserhöhungen finden sich in Leber und Serum bei chronisch aktiven Hepatitiden und manifesten Zirrhosen, wohingegen Normalwerte bei Verschlussikterus, chronisch persistierenden und akuten Hepatitiden zu beobachten sind. Die KP-Bestimmung soll in über 90 % der Fälle eine diagnostische Abgrenzung der chronisch aktiven Hepatitis und Zirrhose von allen übrigen Lebererkrankungen ermöglichen.
Diagnostische Wertigkeit
Da die KP kein leberspezifisches Enzym ist, muss mit deren Erhöhung im Serum auch bei nicht hepatischen, z. B. einigen dermatologischen Erkrankungen gerechnet werden. Die Enzymaktivitätsbestimmung wird heute nicht mehr diagnostisch eingesetzt.
Literatur
Gressner AM (1979) Klinisch-biochemische Parameter der hepatischen Fibrogenese. Lab Med 3:201–208