Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
T. Arndt

Kryptopyrrol

Kryptopyrrol
Synonym(e)
Mauve-Faktor; Malvenfaktor; Pyrrol, verborgenes
Englischer Begriff
cryptopyrrol; Mauve factor
Definition
Sammelbezeichnung für strukturell nicht eindeutig definierte Pyrrole, deren Ausscheidung im Urin in der Orthomolekularen- oder Umweltmedizin (Medizin, orthomolekulare) als Kenngröße einer sog. Pyrrolurie propagiert wird.
Struktur 4-Dimethyl-3-Ethyl-Pyrrol (Kryptopyrrol) (rot Pyrrol-Struktur, nach Przyrembel und Schwenk 2007):
Beschreibung
Nach Przyrembel und Schwenk (2007) sind weder die Identität der Pyrrole, noch deren Herkunft und Bezug zu einem Krankheitsbild wissenschaftlich gesichert. Angeblich soll der vermehrte Anfall von (Krypto-)Pyrrol aus einer gestörten Hämoglobinsynthese oder einem abnormalen Hämoglobinabbau resultieren. Diese Pyrrole sollen mit Pyridoxal-5-Phosphat (ein Vitamin B6-Derivat) und Zink unter Bildung eines (Krypto-)Pyrrol-Pyridoxal-5-Phosphat-Zink-Komplexes reagieren. Da dieser über die Niere ausgeschieden wird, soll ein signifikanter Verlust an Vitamin B6 und Zink eintreten.
Die Symptomatiken einer (Krypto-)Pyrrolurie (Malvarie) werden im Internet und der einschlägigen Literatur als so vielfältig beschrieben, dass sie für beinahe jeden Menschen zutreffen. Die Autoren kommen zu folgender Bewertung: „Die in der Literatur geäußerten Hypothesen über einen Zusammenhang zwischen Pyrrolen im Urin und verschiedenen Erkrankungen wurden nicht bestätigt. (…) Eine darauf aufbauende Diagnose oder gar Therapieform entbehrt beim heutigen Kenntnisstand der wissenschaftlichen Grundlage. Die Pyrrolurie ist ein Befund, der nach wissenschaftlichen Kriterien keiner Krankheit zugeordnet werden kann. (…) Untersuchungen zur Diagnose der Pyrrolurie können demnach (…) nicht empfohlen werden.“
Literatur
Przyrembel H, Schwenk M (Federführung) (2007) Die (Krypto-)Pyrrolurie in der Umweltmedizin: eine valide Diagnose? Mitteilung der Kommission Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin. Bundesgesundheitsbl Gesundheitsforsch Gesundheitsschutz 50:1324–1330