Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
K. J. Lackner und D. Peetz

Laktat

Laktat
Synonym(e)
Milchsäure
Englischer Begriff
lactic acid
Definition
Einfache Ketocarbonsäure mit 3 Kohlenstoffatomen. Endprodukt der anaeroben Glykolyse.
Struktur
C3O3H6; Strukturformel:
Molmasse
89,08 g (als Base); 90,08 g (als Säure).
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Laktat entsteht im Stoffwechsel ganz vorwiegend als Endprodukt der anaeroben Glykolyse. Es kann entweder im Citratzyklus vollständig abgebaut oder als Baustein für die Glukoneogenese wiederverwertet werden.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Plasma, Vollblut oder Liquor. Die Werte im arteriellen und Kapillarblut liegen ca. 20 % unter denen des venösen Bluts. Längere Stauung führt zu einem Anstieg der venösen Laktatkonzentration.
Probenstabilität
Der Probe ist, wenn keine direkte Bestimmung möglich ist, ein Inhibitor der Glykolyse beizusetzen (Glukose). Ansonsten werden falsch hohe Werte gemessen, da ex vivo in den Erythrozyten signifikant Laktat produziert wird.
Liquor wird in der Regel ohne Zusätze ins Labor transportiert. Im normalen Liquor kommt es dabei nicht zu relevanten Konzentrationsveränderungen. Leukozytose oder Bakterien können zu einer Erhöhung der Laktatkonzentration ex vivo führen.
Präanalytik
Bei Verwendung von Glykolyse-Inhibitoren ist es nicht erforderlich, die Probe auf dem Transport zu kühlen.
Analytik
Die Bestimmung erfolgt meist enzymatisch mithilfe der Laktatdehydrogenasereaktion. Die Bildung von NADH2 wird fotometrisch verfolgt und ist proportional der Laktatkonzentration der Probe. Da die Laktatdehydrogenase die Reaktion von Laktat zu Pyruvat in beide Richtungen katalysiert, ist es erforderlich, das Reaktionsgleichgewicht zum Pyruvat zu verschieben. Dies erfolgt durch Einstellung eines alkalischen pH und die Umwandlung des neugebildeten Pyruvats durch Transaminierung zu L-Alanin. Neben der konventionellen enzymatischen Bestimmung kann Laktat auch amperometrisch (Amperometrie) gemessen werden. Dabei wird durch Laktatoxidase H2O2 generiert, das an einer entsprechenden Elektrode ein Potenzial erzeugt.
Konventionelle Einheit
mg/dL.
Internationale Einheit
mmol/L.
Umrechnungsfaktor zw. konv. u. int. Einheit
mg/dL × 0,11 = mmol/L.
Referenzbereich – Erwachsene
Venös: 0,5–2,2 mmol/L; arteriell: <1,8 mmol/L; Liquor: 1,2–2,1 mmol/L (Liquor-L-Laktat).
Referenzbereich – Kinder
Neugeborene (Kapillarblut): 0,3–2,2 mmol/L.
Indikation
Anstiege der Laktatkonzentration sind Hinweise auf eine anaerobe Glykolyse. Deshalb wird sie zur Verlaufskontrolle bei Kreislaufversagen und Intoxikationen, zur Überwachung des Feten unter der Geburt oder zur Steuerung der Trainingsintensität bei Leistungssportlern genutzt. Außerdem ist Laktat für die Differenzialdiagnose von metabolischen Azidosen von Bedeutung.
Interpretation
Eine erhöhte Laktatkonzentration ist meist Ausdruck einer gesteigerten Produktion von Laktat z. B. bei anaerober Glykolyse. Beim Diabetes kann auch im Rahmen verstärkter Fettsäureutilisation aufgrund der erhöhten Verfügbarkeit von NADH vermehrt Laktat produziert werden. Grundsätzlich kann zwischen Hyperlaktatämien mit Gewebshypoxie und ohne Gewebshypoxie unterschieden werden. Zu den letzteren werden Infektionen, verschiedene Intoxikationen, die diabetische Laktatazidose und hereditäre Formen der Laktatazidose gerechnet.
Literatur
Thomas L (Hrsg) (2012) Labor und Diagnose. Indikation und Bewertung von Laborbefunden für die medizinische Diagnostik, 8. Aufl. TH-Books, Frankfurt am Main