Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
R. Tauber und F. H. Perschel

Lektine

Lektine
Synonym(e)
Phytohämagglutinine
Englischer Begriff
Lectins
Definition
Kohlenhydratbindende Proteine aus Prokaryonten und Eukaryonten, die weder zu den Immunglobulinen (s. Immunglobuline) zählen noch enzymatische Aktivität gegenüber den gebundenen Zuckern aufweisen.
Beschreibung
Lektine stellen teilweise hochdiversifizierte, phylogenetisch äußerst alte Familien von Proteinen dar, die spezifisch an Kohlenhydratstrukturen binden. Zu ihren Liganden zählen freie Oligo- und Polysaccharide sowie die Glykane von Glykoproteinen und Glykolipiden. Tierische Lektine vermitteln wichtige intra- und extrazelluläre Adhäsions- und Kommunikationsprozesse, besitzen Opsoninfunktion, sind als Endozytoserezeptoren an der Clearance von Serumglykoproteinen beteiligt und wirken als Chaperone mit an der regulierten ko- und posttranslationalen Proteinfaltung während der Proteinbiosynthese. Bakterielle und virale Lektine vermitteln durch Bindung an komplexe Kohlenhydrate von Wirtszellen Teilschritte der Infektion. Pflanzliche Lektine wie Concanavalin A werden aufgrund ihrer Bindungsspezifität für bestimmte Zuckerstrukturen für den analytischen Nachweis von Glykoproteinen (s. Glykoproteine) und Glykolipiden eingesetzt.
Literatur
Köttgen E, Reutter W, Tauber R (2003) Endogene Lektine des Menschen und ihre Zuckerliganden. Med Klin 98:717–738CrossRef