Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
J. Arnemann

Leseraster-Mutation

Leseraster-Mutation
Synonym(e)
Raster-Mutation
Englischer Begriff
frameshift mutation
Definition
Bei einer Leseraster-Mutation wird aufgrund einer Deletion oder Insertion der Triplettcode des Leserasters so verändert, dass nachfolgend kein oder ein anderes Peptid synthetisiert wird.
Beschreibung
Die Aneinanderreihung von definierten Tripletts ist die Grundlage des Leserasters, nach der bei der Translation die dafür kodierenden Aminosäuren synthetisiert werden. Kommt es zur Insertion oder Deletion einer Anzahl von Nukleotiden, die nicht durch 3 teilbar sind, wird die Aneinanderreihung der ursprünglichen Tripletts unterbrochen und durch die Insertion oder Deletion (auch Indel-Mutation) einer unpassenden Anzahl an Nukleotiden die ursprüngliche Triplettkombination auseinandergerissen und zu einer komplett neuen Triplettfolge zusammengesetzt. Diese neue Zusammensetzung der kodierenden Tripletts führt bei einer anschließenden Translation ab der Indel-Mutation zu einer völlig neuen Zusammensetzung an Aminosäuren und damit des Proteins. Die neu zusammengesetzten Proteine sind i. d. R. funktionslos. Grundsätzlich gilt, dass je früher die Indel-Mutation im Leserahmen auftritt, desto mehr divergiert das resultierende Protein von der eigentlichen Proteinsequenz und -funktion.
Da unter Umständen sich auch die Verteilung von Stoppcodons verändert, kann dieses meist pathogene Hybridprotein auch eine abweichende Größe bzw. Molekulargewicht haben.
Indel-Mutationen mit Leseraster-Mutation sind häufig Ursache genetisch bedingter Erkrankungen, wie z. B. Muskeldystrophie Typ Duchenne.
Literatur
Strachan T, Read AP (2005) Molekulare Humangenetik. Elsevier GmbH, München