Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
K. J. Lackner und D. Peetz

Lipoprotein(a)

Lipoprotein(a)
Synonym(e)
Lp(a)
Englischer Begriff
lipoprotein(a)
Definition
LDL-ähnliches Lipoproteinpartikel, in dem ein zusätzliches Molekül Apolipoprotein(a) kovalent an ApoB-100 gebunden ist.
Struktur
Lp(a) unterscheidet sich von LDL (Low density lipoprotein) hauptsächlich durch ein zusätzliches Apolipoprotein, das Apo(a), das über eine Disulfidbrücke kovalent an ApoB-100 gebunden ist. Ansonsten sind Protein- und Lipidzusammensetzung von Lp(a) und LDL weitgehend identisch. Aufgrund des zusätzlichen Moleküls Apo(a) ist die Dichte von Lp(a) mit 1,043–1,115 g/mL höher als die der LDL.
Molmasse
Ca. 3–3,5 × 106 Da.
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Lp(a) wird ausschließlich in der Leber synthetisiert. Es wird vermutlich direkt als Lp(a) sezerniert, ein VLDL-ähnliches Vorläuferpartikel konnte nicht identifiziert werden. Der Stoffwechsel weicht von dem der LDL ab, ist aber noch nicht in allen Einzelheiten klar.
Funktion – Pathophysiologie
Ob Lp(a) eine eigenständige Funktion im Lipoproteinstoffwechsel wahrnimmt, ist bis heute ungeklärt. Epidemiologische Studien haben nachgewiesen, dass erhöhte Lp(a)-Konzentrationen im Serum einen unabhängigen kardiovaskulären Risikofaktor darstellen. Dies gilt allerdings möglicherweise nur für Individuen unter 60 Jahren. Aus diesem Grund hat Lp(a) noch keinen Eingang in die inzwischen weit verbreitete individuelle Risikoberechnung gefunden. Bei Kindern scheinen erhöhte Lp(a)-Konzentrationen mit einem erhöhten Thromboserisiko einherzugehen.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Probenstabilität
Lp(a) ist im Serum oder Plasma bei Raumtemperatur etwa 1 Tag, bei 4 °C etwa 1 Woche stabil. Bei –80 °C kann Serum einige Monate gelagert werden. Bei Lagerung über 6 Monate konnte allerdings gezeigt werden, dass die kleinen Apo(a)-Isoformen schneller abnehmen als große, was zu einer Angleichung der Werte von Patienten mit hohen und niedrigen Lp(a)-Konzentrationen führt. Insoweit kann eine Lagerung für mehrere Jahre, wie sie in epidemiologischen Studien oft erforderlich ist, nicht empfohlen werden.
Präanalytik
Hier gelten die allgemeinen Empfehlungen für die Lipoproteinanalytik. Lp(a) wird durch Nahrungsaufnahme kaum beeinflusst. Blutentnahme im Sitzen führt zu ca. 5–10 % höheren Werten als im Liegen.
Analytik
Lp(a) wird immunologisch entweder mit Ligandenbindungsassays oder durch Präzipitationsverfahren mit anschließender Trübungsmessung bestimmt. Dabei ist zu beachten, dass Lp(a)-Konzentrationen nicht wie für alle anderen Lipoproteine üblich als Lp(a)-Cholesterin, sondern als Gesamtmasse des Partikels angegeben werden. Daraus folgt, dass die in mg/dL angegebene Lp(a)-Konzentration etwa 5- bis 6-mal höher liegt als die Lp(a)-Cholesterinkonzentration. Eine adäquate Standardisierung der Verfahren ist wegen verschiedener Probleme noch nicht gelungen. Ein stabiles Referenzmaterial, auf das alle Methoden kalibriert werden könnten, ist derzeit nicht verfügbar. Die Angabe als Gesamtpartikelmasse bringt das Problem mit sich, dass die heterogene, individuell variable Lipidzusammensetzung der Partikel nicht berücksichtigt werden kann. Eine Angabe in mol Apo(a), von dem 1 Molekül pro Partikel vorhanden ist, hat sich nicht durchgesetzt, obwohl äquimolare Bestimmungen in den Ligandenbindungsassays möglich sind, wenn geeignete Kombinationen monoklonaler Antikörper ausgewählt werden. Hier ist zu berücksichtigen, dass Apo(a) hochpolymorph ist und Epitope des Kringel 4 in unterschiedlicher Zahl im Molekül vorkommen, was im ungünstigen Fall, dass ein monoklonaler Antikörper ein solches repetitives Epitop erkennt, zur Bindung einer unterschiedlichen Zahl von Antikörpern an ein Molekül Apo(a) führen kann.
Konventionelle Einheit
mg/dL.
Referenzbereich – Erwachsene
<30 mg/dL.
Referenzbereich – Kinder
S. Erwachsene.
Indikation
Abschätzung des kardiovaskulären Risikos, bei Kindern Thrombophilieabklärung.
Interpretation
Die klinische Bedeutung erhöhter Lp(a)-Werte ist noch offen. Eine spezifische Therapie erhöhter Lp(a)-Konzentrationen ist noch nicht verfügbar, allerdings befindet sich ein Antisense-Oligonukleotid in Phase II der klinischen Prüfung. Für ausgewählte Patienten mit erhöhtem Lp(a), z. B. mit nachgewiesener Progression einer koronaren Herzkrankheit trotz optimaler Therapie aller anderen Risikofaktoren, kann u. U. eine Lipoproteinapherese in Erwägung gezogen werden. Lp(a) hat bisher keinen Eingang in die allgemein verfügbaren Risikokalkulationen gefunden.
Literatur
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Nordestgaard BG, Langsted A (2016) Lipoprotein (a) as a cause of cardiovascular disease: insights from epidemiology, genetics, and biology. J Lipid Res 57:1953–1975CrossRef
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