Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
T. O. Kleine

Liquor-Glial fibrillary acidic protein

Liquor-Glial fibrillary acidic protein
Englischer Begriff
glial fibrillary acidic protein (GFAP) in cerebrospinal fluid (CSF)
Definition
Liquor-Glial fibrillary acidic protein (GFAP) (saures Gliafaserprotein, Gliafilament-Protein) in CSF und Blut ist frühe Destruktions-Kenngröße von Astrozyten und Astrogliose im Zentralnervensystem (ZNS), Blutserum-Konzentrationen korrelieren mit Ausmaß geschädigter Astrozyten bzw. Astrogliose.
Molmasse
Monomere Untereinheit GFAP: 49,9–51 kDa; Abbauprodukt pGFAP: 40–50 kDa.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Ca. 1 mL entzellter Lumbal-(L-), Subokzipital-(SOP-), Ventrikel-(V-)Liquor und gleichzeitig gewonnenes venöses Serum (beides hämolysefrei). Kurze Lagerung bei etwa 5 °C, bei –20 °C >1 Monat, bei –80 °C länger in sterilen verschlossenen Plastikröhrchen, z. B. aus Polystyrol.
Probenstabilität
S. Untersuchungsmaterial.
Analytik
Enzyme-linked Immunosorbentassay (ELISA), kein Hämolyseeffekt; 2-Seiten-immunoradiometrischer Assay; Immunofluoreszenz-Sandwich-Assay.
Variationskoeffizient (VK) interseriell: 8–15 %; VK mit 0,24 μg/L GFAP: 25 %.
Konventionelle Einheit
μg/L.
Internationale Einheit
pmol/L.
Umrechnungsfaktor zw. konv. u. int. Einheit
μg/L × 20 = pmol/L.
Referenzbereich – Erwachsene
Lumballiquor: 7,2 μg/L (144 pmol/L); Ausschlussgrenze: 11,6 μg/L (232 pmol/L).
Blutserum: 0,15–0,76 μg/L (3–15,2 pmol/L).
Referenzbereich – Kinder
Keine Werte vorhanden.
Interpretation
GAFP ist in CSF erhöht bei akuter ZNS-Schädigung, subakuten/chronischen neurologischen Erkrankungen mit Astrogliosis wie Alzheimer-Krankheit, Normaldruck-Hydrozephalus, zerebraler Vaskulitis, multipler Sklerose, Neuroborreliose, HIV-Infektion ohne ZNS-Komplikationen. GFAP in CSF korreliert mit Alter und Demenzformen (Ausnahme „frontal lobe dementia“), nicht mit QAlbumin.
GFAP im Serum ist erhöht bei akuten neurologischen Erkrankungen während erster Woche bei Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, korreliert mit Infarktgröße wie S100-Protein B (S100B).
Diagnostische Wertigkeit
Astrozyten-Destruktions-Kenngröße mit hoher Spezifität, da fast ausschließlich in reifen Astrozyten im ZNS synthetisiert, geeignet für ZNS-/Blutuntersuchungen, da Lumballiquor-/Serum-Gradient von 15:1 bei ausreichender methodischer Sensitivität im Blutserum: Nachweis von Abbauprodukt pGFAP und S100B-Proteinen im venösen Blut für ca. 3 Wochen proportional zum Volumen des geschädigten ZNS-Gewebes (bei kleinen Infarkten pGFAP im Serum früher erhöht messbar). Freisetzung von Liquor, basisches Myeloprotein aus Nervenscheiden in CSF erfolgt 1 Woche später. GAFP scheint besser mit dem „outcome“ von Infarktpatienten zu korrelieren als S100B-Proteine, obwohl GAFP- und S100B-Konzentrationen im Serum signifikant korrelieren.
Literatur
Herrmann M, Vos P, Wunderlich MT et al (2000) Release of glial tissue-specific proteins after acute stroke. A comparative analysis of serum concentrations of protein S100B and glial fibrillary acidic protein. Stroke 31:2670–2677CrossRefPubMed