Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
T. O. Kleine

Liquor-Sedimentierkammer-Verfahren

Liquor-Sedimentierkammer-Verfahren
Englischer Begriff
Sayk’s sedimentation technique of cerebrospinal fluid (CSF) cells
Definition
Einfaches Routineverfahren zur Anreicherung von CSF-Zellen mittels Sedimentation auf Objektträger mit Zellverlusten und -denaturierung. Vorrichtung zum Absetzen von Zellen in CSF auf Objektträger.
Untersuchungsmaterial
>1 mL frischer Ventrikel-(V-), Subokzipital-(SOP-), Lumbal-liquor oder (subdurale) Zystenflüssigkeit. Sterile durchsichtige, Plastikröhrchen (Polypropylen) mit Verschluss. Proben bei 4 °C <1–2 Stunden lichtgeschützt gelagert.
Instrumentierung
Liquor-Sedimentierkammer nach Sayk mit Zubehör, Färbevorrichtung für Liquorzellen (Liquor-May-Grünwald-Giemsa-Färbung); binokulares Lichtmikroskop mit 400-facher Vergrößerung zur Durchmusterung, 800- bis 1000-facher Vergrößerung zur Differenzierung (Immersionsobjektive), mechanisierte Zellzählvorrichtung, evtl. Photomikroskop zur Dokumentation.
Fehlermöglichkeit
Degenerierung und Autolyse von CSF-Zellen in unterschiedlicher Weise während langer Sedimentier- und Trocknungszeiten bei Zimmertemperatur, weniger im Kühlschrank; statistische Zählfehler bei bis zu 50 % und mehr nicht differenzierbaren Zellen besonders von zellarmen CSF Proben.
Relative Anreicherung von großen monozytären und granulozytären Zellen bei Verlust von kleinen lymphozytären Zellen (Verzerrung der Liquor-Zellreaktionen).
Bewertung – Methodenhierarchie (allg.)
Teil von Liquor-Basis-Programm/Liquor-Spezialprogramm zur Analyse von zellulären Entzündungsreaktionen, Tumorzellen, (Liquor-Zellreaktionen); praktiziertes Routineverfahren mit mehr Probenvolumen, Zellverlusten und -denaturierungen im Vergleich zu Liquor-Objektträger-Methode oder Liquor-Zytozentrifugen-Verfahren, jedoch mit der Möglichkeit von Spezialfärbungen Liquor-Tumorzellen.
Literatur
Lehmitz R, Kleine TO (1994) Liquorzytologie: Ausbeute, Verteilung und Darstellung von Leukozyten bei drei Sedimentationsverfahren im Vergleich zu drei Zytozentrifugen-Modifikationen. Lab med 18:91–99
Professor Dr. med. Dr. h. c. Johannes Sayk (28.09.1923–04.12.2005) deutscher Neurologe und Pionier der zytologischen Diagnostik der Cerebrospinal Flüssigkeit. Direktor der Abteilung für Neurologie, Universität Rostock 1961–1989. – Ehrenvorsitz des 1. Gesamt-deutschen Liquor-Symposiums 05.10.1990 in Marburg a. d. Lahn. Organisation: Prof. Dr. med. T.O. Kleine (1991) Lab med 15:29 ff
Sayk J (1960) Cytologie der Cerebrospinalflüssigkeit. Gustav Fischer Verlag, Jena