Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
T. O. Kleine

Liquor-tau-Proteine, gesamt

Liquor-tau-Proteine, gesamt
Synonym(e)
Liquor-t-tau-Proteine; Mikrotubulin-assoziiertes Protein tau (MAP-tau)
Englischer Begriff
total tau level in cerebrospinal fluid (CSF)
Definition
CSF tau-Proteine sind Kenngröße für neuronale Degeneration im Zentralnervensystem (ZNS), unspezifisch für M. Alzheimer.
Struktur
Basische tau-Proteine mit 6 Isoformen T1-T6 von 55–60 kDa durch alternatives Spleißen mit 3 Exons A, B, C, wenig phosphoryliert an Serin- und Threoninresten.
Funktion – Pathophysiologie
Störungen der α/β-Tubulin-Dimer-Bildung mittels GTP-Bindung bzw. des Mikrotubuli-Turnover setzen tau-Proteine frei und erhöhen den intrazellulären tau-Protein-Pool, aus dem bei vermehrter Durchlässigkeit der Plasmamembran tau-Proteine (mit physiologischem Phosphorylierungsmuster) extrazellulär diffundieren und in CSF vermehrt nachweisbar werden.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Ventrikel-(V-), Subokzipital-(SOP-), Lumbal-(L-)Liquor, feste Abnahmezeiten, z. B. zwischen 10 und 12 Uhr, sofortige Aliquotierung in nichtabsorbierende Röhrchen und Lagerung bei −80 °C.
CSF-tau-Proteingehalt bleibt konstant bei wiederholtem Einfrieren und Auftauen.
Analytik
Enzyme-linked Immunosorbentassay (ELISA) mit unterschiedlichen monoklonalen Fangantikörpern für alle tau-Isoformen (phosphoryliert oder nicht) und C-terminal-gekürztes tau-Protein durch Bindung an nicht phosphorylierte und nicht gespleißte Bereiche der Polypeptidkette.
Nachweisgrenze 25 pg/mL, VK <13 %; Kalibrationsprobleme mit verschiedenen Standards.
Umrechnungsfaktor zw. konv. u. int. Einheit
Umrechnungsfaktor von pg/mL in ng/L mit Faktor 1.
Referenzbereich – Erwachsene
Im Lumballiquor altersabhängiger tau-Protein-Bereich: 9–833 pg/mL bzw. 1,3–1,7 pmol/L.
Referenzbereich – Kinder
Nicht vorhanden.
Diagnostische Wertigkeit
Klinische und neuropsychologische Evaluation von Demenz-Erkrankungen mit 65–90 % diagnostischer Sicherheit in spezialisierten Zentren vergleichbar mit Effizienz des tau-Protein-Tests: 57–99 % Sensitivität, 77–97 % Spezifität bei AD-Diskriminierung gegen Kontrollen.
CSF-tau-Protein nicht spezifisch für AD, da normal bis erhöht bei anderen Demenz-Erkrankungen (Vaskuläre Demenz, Lewy-Body-Demenz), Normaldruck-Hydrozephalus (NPH); stark erhöht bei Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJD): Ausschlussgrenze 2130 pg/mL mit 93 % Sensitivität, 100 % Spezifität; selten erhöht bei alkoholischer Demenz, M. Parkinson, progressiver supranukleärer Lähmung, Depression. Keine deutlich verbesserte Diagnostik mit CSF-tau-Protein plus CSF-Aβ1-42.
Nicht standardisierte Methoden, Ausschlusswerte, Patientenkollektive machen tau-Protein-Bestimmung methoden- und laborabhängig.
Literatur
Blennow K, Vanmechelen E (2003) CSF markers for pathogenic processes in Alzheimer’s disease: diagnostic implications and use in clinical neurochemistry. Brain Res Bull 61:235–242CrossRefPubMed