Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
T. Arndt

Matrix-Metalloproteinase 8

Matrix-Metalloproteinase 8
Synonym(e)
MMP-8; Neutrophilen-Kollagenase; Kollagenase-2
Englischer Begriff
matrix-metalloproteinase 8
Definition
Kollagen-I-, -II- und -III-spaltendes Metallionen-haltiges Enzym aus der Gruppe der Matrix-Metalloproteinasen.
Beschreibung
Die Bestimmung der MMP-8 in (mit sinkender Spezifität) Sulcusflüssigkeit, Speichel oder Mundspülflüssigkeit mithilfe von Teststreifen, die entweder in den Sulcus gingivalis eingelegt und nach wenigen Minuten vor Ort qualitativ ausgewertet oder vom Zahnarzt zur quantitativen Auswertung in ein Labor gesandt werden, wurde wiederholt zur labormedizinischen Unterscheidung von parodontal entzündeten und gesunden Flächen an einem Zahn oder Implantat sowie zur Abgrenzung zwischen Gingivitis und Parodontitis vorgeschlagen.
Unter physiologischen Bedingungen besteht eine Homöostase zwischen der Aktivität von Metalloproteinasen und deren Inhibitoren, den TIMPs („tissue inhibitors of metalloproteinases“). Bei Entzündung, z. B. durch Parodontitis, erfolgt eine vermehrte Bildung von Exsudat (gingivaler Sulcusflüssigkeit) mit Einwanderung von Neutrophilen und Ausschüttung von Metalloproteinasen in den Weichgeweben am Zahnhals bzw. am Implantat, wobei besonders MMP-8 (syn. Neutrophilen-Kollagenase) freigesetzt wird.
Die Bestimmung der MMP-8 erfolgt immunologisch, wobei testabhängig die Gesamtkonzentration (aktive + passive Form) oder (diagnostisch sicher sinnvoller) nur die aktive Form (aMMP-8) erfasst werden. Für letztere gilt momentan ein Schwellenwert von <25 ng/mL als normal.
Tatsächlich können bei Parodontitis erhöhte MMP-8-Konzentrationen nachgewiesen und eine Progression des Krankheitsverlaufes mithilfe von MMP-8 vorhergesagt werden. Doch erst die Kombination von MMP-8 mit klinischen und ggf. bakteriologischen Parametern gestattet eine ausreichende Diskriminierung zwischen stabilen und fortschreitenden Verläufen.
Die diagnostische Relevanz der Untersuchung ist umstritten. Ungeklärte Aspekte sind die diagnostische Spezifität für o. g. Fragestellungen, insbesondere bei der Untersuchung von Mundspüllösungen, die auch bei Rauchern, Mukositis, Lichen planus und Karies erhöhte MMP-8-Konzentrationen enthalten können. Zudem benötigt ein Zahnarzt keinen Labortest, um eine Gingivitis von einer Parodontitis zu unterscheiden.
Umstritten ist auch der therapeutische Nutzen: Welche Konsequenz ist zu ziehen, wenn an einer Stelle erhöhte MMP-8-Konzentrationen detektiert werden und welche Maßnahme kann verhindern, dass sich an einer solchen Stelle im Verlauf tiefe Taschen bilden und Attachmentverlust entsteht? Ob dabei Pharmaka (Perioceuticals) hilfreich sein können, wird gegenwärtig untersucht.
In der Konsequenz kommt die u. g. Mitteilung (Meisel und Eickhol 2015) zu folgender Feststellung: „Wenn MMP-8-Konzentrationen allerdings nur mit klinischen Parametern korrelieren, wird der Test nicht benötigt und man kann besser mit den einfacher zu erhebenden klinischen Parametern arbeiten.“
Literatur
Meisel P, Eickhol P (2015) Gemeinsame Wissenschaftliche Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) und der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) – Parodontitis-Diagnostik mit dem Entzündungsmarker MMP-8. Stand November 2015. http://​www.​dgzmk.​de/​uploads/​tx_​szdgzmkdocuments​/​WM_​DG_​PARO_​aMMP8_​160111.​pdf. Zugegriffen am 17.03.2017