Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
A. M. Gressner und O. A. Gressner

Mercaptane

Mercaptane
Synonym(e)
Alkanthiole; Thioalkohole
Englischer Begriff
mercaptanes
Definition
Es handelt sich um eine Gruppe niedermolekularer, neurotoxischer und schwefelhaltiger Abbauprodukte des Methionins, die bei schwerer Leberzellinsuffizienz hochgradig im Serum ansteigen und in der Pathogenese des Coma hepaticums bzw. der hepatogenen Enzephalopathie bedeutsam sind.
Beschreibung
Die extrem toxischen, übel riechenden, schwefelhaltigen Mercaptane der allgemeinen Struktur R-SH entstehen im Kolon durch bakterielle Zersetzung des Methionins und werden normalerweise von der Leber vollständig eliminiert. Dazu gehören Methanthiol (Methylmercaptan, CH3SH), Dimethylsulfid, Dimethyldisulfid (CH3-S-S-CH3) und Ethanthiol (Ethylmercaptan, C2H5SH), deren Konzentrationen im normalen Serum extrem niedrig oder nicht nachweisbar sind. Bei schwerer Leberzellinsuffizienz und/oder portosystemischem Umgehungskreislauf kommt es zu signifikanten Konzentrationserhöhungen, wobei Zirrhotiker mit Enzephalopathie wesentlich höhere Konzentrationen aufweisen als Zirrhotiker ohne Enzephalopathie. Die höchsten Konzentrationen entstehen beim Leberzerfallskoma im Vergleich zum Leberausfallskoma. Der Schweregrad der Enzephalopathie korreliert mit der Höhe einzelner Mercaptane, z. B. Methanthiol. Ihre gaschromatographische Bestimmung ergänzt die diagnostische Aussage von Oktopamin. Konzentrationserhöhungen finden sich außer im Serum auch im Liquor und Urin. Dimethylsulfid und Trimethylamin sind für den (süßlichen) Foetor hepaticus beim Coma hepaticum verantwortlich.
Literatur
Blom HJ, Ferenci P, Grimm G et al (1991) The role of methanethiol in the pathogenesis of hepatic encephalopathy. Hepatology 13:445–454CrossRefPubMed
Häussinger D, Schliess F (2008) Pathogenetic mechanisms of hepatic encephalopathy. Gut 57(8):1156–1165CrossRefPubMed