Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Stöcker

Middle East Respiratory Syndrome-Coronaviren (MERS-CoV)

Middle East Respiratory Syndrome-Coronaviren (MERS-CoV)
Englischer Begriff
Middle East respiratory syndrome coronavirus
Beschreibung des Erregers
Familie: Coronaviridae; Gattung: Betacoronavirus; Spezies: Middle East Respiratory Syndrome-Coronavirus; Plusstrang-RNA-Genom, behüllt.
Erkrankungen
Verbreitung: Das Virus wurde erstmals 2012 in Saudi-Arabien identifiziert und hat sich vor allem auf der Arabischen Halbinsel verbreitet.
Übertragung: Die genauen Übertragungswege sind bislang unbekannt, Dromedare als Zwischenwirt stellen die wahrscheinlichste Erregerquelle für Menschen dar, von Mensch zu Mensch scheint das Virus nur schwer übertragen zu werden.
Klinik: Die Inkubationszeit beträgt 1–2 Wochen, die Erkrankung beginnt mit akut auftretenden, grippeähnlichen Symptomen, ähnlich denen des „Severe Acute Respiratory Syndrome“ (SARS), Magen-Darm-Beschwerden können ebenfalls auftreten. Bei schwerem Krankheitsverlauf kann sich eine Lungenentzündung entwickeln. Mögliche Komplikationen sind ein akutes Atemnotsyndrom oder Nierenversagen. Etwa 36 % der gemeldeten Fälle verliefen tödlich, es handelt sich dabei überwiegend um Personen mit geschwächtem Immunsystem und chronischen Vorerkrankungen.
Analytik
Direktnachweis: Nachweis viraler RNA durch RT-PCR (Polymerase-Kettenreaktion).
Serologie: Nachweis spezifischer Antikörper (IgG, IgM) im Serum durch indirekte Immunfluoreszenz (IIFT; Immunfluoreszenz, indirekte), Enzyme-linked Immunosorbent-assay (ELISA), Neutralisationstest.
Probenmaterial
Direktnachweis: Abstrich aus den Atemwegen, Serum, Stuhl Urin. Das Material sollte bei +4 °C gelagert und innerhalb von 72 Stunden analysiert werden.
Serologie: Serum oder Plasma für den Nachweis der Antikörper sind bei +4 °C bis zu 2 Wochen lang beständig, bei −20 °C über Monate und Jahre hinweg. Zur Tiefkühlkonservierung des IgM kann man den Proben 80 % gepuffertes Glyzerin beifügen.
Diagnostische Wertigkeit
Zur Bestätigung von Verdachtsfällen einer MERS-CoV-Infektion sind der Direktnachweis von MERS-CoV (PCR, innerhalb von 1–2 Wochen nach Symptombeginn) und der Nachweis von Antikörpern gegen MERS-CoV (IIFT, ELISA, Neutralisationstest) die wichtigsten labordiagnostischen Verfahren. Für den serologischen Nachweis wird eine 2-Stufen-Strategie (1. Screening mittels ELISA oder IIFT; 2. Bestätigung mittels Neutralisationstest) sowie die Untersuchung eines Serumpaares empfohlen. Das Akutserum sollte dabei etwa 1 Woche und die Folgeprobe mindestens 28 Tage nach Symptombeginn entnommen werden. Eine Serokonversion oder ein mindestens vierfacher Titeranstieg sind hinreichend für die Bestätigung einer MERS-CoV-Infektion. Kann nur eine Einzelprobe untersucht werden, sollte die Probe frühestens von Tag 14 nach Auftreten der ersten Krankheitszeichen stammen.
Literatur
Mohd HA, Al-Tawfiq JA, Memish ZA (2016) Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus (MERS-CoV) origin and animal reservoir. Virol J 13:87CrossRefPubMedPubMedCentral
Robert-Koch-Institut, Berlin (2015) Hinweise für die Labordiagnostik bei Verdacht auf schweres akutes Atemwegssyndrom aufgrund einer Infektion mit Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus (MERS-CoV), 18.08.2015. https://​www.​rki.​de/​DE/​Content/​InfAZ/​M/​MERS_​Coronavirus/​MERS-CoV_​Labordiagnostik.​html. Zugegriffen am 26.01.2017