Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. G. Guder

Mittelstrahlurin

Mittelstrahlurin
Englischer Begriff
mid-stream urine; clean-catch urine
Definition
Als Teil des Spontanurins die Portion, die nach einem ersten Strahl, der verworfen wird, die Blase verlässt, bevor sie mit dem letzten Strahl geleert wird.
Beschreibung
Für die meisten Harnuntersuchungen im Rahmen der Basisuntersuchung ist Mittelstrahlurin die empfohlene analytische Probe. Er hilft, Kontaminationen aus der Urethra und dem äußeren Genitale zu vermeiden und repräsentiert den Zustand des Urins in der Blase. Dieser wird wie folgt gewonnen:
  • Vereinfachtes Mittelstrahlverfahren: Die erste Portion des spontan gelassenen Urins wird in die Toilette gelassen (ca. 50–100 mL), die nächste Portion von ca. 50 mL in ein Probengefäß aufgefangen und der Rest wieder in die Toilette gelassen. Dabei darf der Urin nicht berührt werden.
  • Mittelstrahlurin nach Reinigung: Bei mikrobiologischen Untersuchungen und bei fraglichen Befunden im vereinfacht gewonnenen Urin ist die Vulva bzw. die Glans penis vorher mit Wasser und sauberem Tuch zu reinigen und durch Abtupfen zu trocknen, bevor der Mittelstrahlurin gewonnen wird.
Beide Prozeduren können auch am Topf mit Kindern oder älteren Patienten durchgeführt werden.
Die Urinprobe ist zu verschließen und für folgende Untersuchungen innerhalb 1 Stunde geeignet:
Literatur
Kouri T, Fogazzi G, Gant V, Hallander H, Hofmann W, Guder WG (2000) European urinalysis guidelines. Scand J Clin Lab Invest 60(Suppl 231) 1–96