Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
A. M. Gressner und O. A. Gressner

Mizellen im Verdauungstrakt

Mizellen im Verdauungstrakt
Englischer Begriff
micelles
Definition
Mizellen sind vielgestaltige polymolekulare Aggregate, die u. a. konjugierte Gallensäuren aufgrund ihrer amphiphilen Eigenschaft in wässrigem Milieu bei Erreichen der kritischen mizellaren Konzentration bilden und dem Einschluss wasserunlöslicher Substanzen wie Cholesterin, fettlösliche Vitamine und Lecithin dienen.
Beschreibung
Konjugierte Gallensäuren sind amphiphile biplanare Moleküle mit einer mehr hydrophoben (unpolaren) Seite (Steroidanteil) und einer hydrophilen (polaren) Seite (Substituenten). Aufbau einer Mizelle:
Bei Erreichen der kritischen mizellaren Konzentration zwischen 0,6 und 5 mmol/L wird ihre maximale monomere Löslichkeit überschritten und eine molekulare Aggregation in Form der Mizellen herbeigeführt. In ihr lagern sich die hydrophoben Molekülanteile zentral aneinander während die hydrophilen Seiten den Außenmantel der Mizellen zur wässrigen Phase hin bilden. Man unterscheidet:
  • Einfache Mizellen aus Gallensäuren, einigen Cholesterinmolekülen im Inneren ohne Phosphatidylcholin mit einem hydrodynamischen Radius von ca. 10 Å
  • Gemischte Mizellen aus Gallensäuren, Phosphatidylcholin und Cholesterinmolekülen mit einem etwa zwei- bis dreifach größeren hydrodynamischen Radius (20–30 Å) als der der einfachen Mizellen
Neben beiden Mizellen sind in der Galle auch wesentlich größere unilamellare Vesikel (300–400 Å) vorhanden. Ihre Funktion besteht in der Lösung und im Transport hydrophober Moleküle in der Gallenflüssigkeit (Cholesterin) und im Darm (fettlösliche Vitamine, Lecithin u. a.).
Literatur
Waters LJ, Shokry DS, Parkes CM et al (2016) The use of bile salt micelles for the prediction of human intestinal absorption. J Pharm Sci 105(12):3611–3614CrossRefPubMed