Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
C. Vidal und W.-R. Külpmann

Morphin(derivate)

Morphin(derivate)
Synonym(e)
Opiate
Englischer Begriff
morphine and morphine derivatives
Definition
Narkoanalgetika.
Strukturformel Morphin:
Strukturformel Diacetylmorphin (Heroin):
Strukturformel Codein:
Strukturformel Dihydrocodein:
Molmasse
Morphin: 303,4 g; Heroin: 369,4 g; Codein: 317,4 g; Dihydrocodein: 301,4 g.
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Heroin (Diacetylmorphin, Diamorphin) wird wegen der schlechten Bioverfügbarkeit bei oraler Applikation intravenös zugeführt und rasch zu 6-Monoacetylmorphin (6-MAM) abgebaut, das langsamer weiter zu Morphin deacetyliert wird (s. folgende Tabelle). Geringe Mengen 6-MAM finden sich im Urin, neben geringen Mengen Morphin und überwiegend Morphinglukuroniden.
Abbau der Morphin(derivate):
Morphin(derivat)
Halbwertszeit (h)
Bioverfügbarkeit (%)
Diamorphin
0,03–0,06
 
6-Monoacetylmorphin
0,5
 
Morphin
1–4
25
Codein
2–4
50
Dihydrocodein
3–4
20
Pathophysiologie
Bei akuter Vergiftung mit Opiaten tritt insbesondere eine Lähmung des Atemzentrums mit Koma und Miose der Pupillen ein.
Untersuchungsmaterial
Urin, Plasma, Serum, Haare, Schweiß, Speichel.
Analytik
Immunoassay (Urin), HPLC, GC-MS, LC-MS/MS.
Indikation
Nachweis von Drogenabusus. Verdacht auf Intoxikation.
Interpretation
Immunoassays erfassen mit unterschiedlicher Empfindlichkeit nur Substanzen, die mit Morphin chemisch nahe verwandt sind und in entsprechend hoher Konzentration im Urin vorliegen. Da Morphin überwiegend glukuronidiert ausgeschieden wird und die Konjugate mit den Antikörpern nicht oder nur schlecht reagieren, ist eine der Analyse vorangehende Hydrolyse empfehlenswert. Der chromatographisch-massenspektrometrische Nachweis der Opiate ist forensisch beweisend. Morphin im Urin kann auf der Zufuhr von Heroin, Morphin, Codein oder Mohnkuchen beruhen. Heroinabusus ist bewiesen, wenn im Urin zusätzlich 6-MAM nachgewiesen wurde. Heroin selbst ist angesichts seiner kurzen Halbwertszeit im Plasma oder Urin nicht nachweisbar. Bei Heroinabhängigen entwickelt sich eine Toleranz, die im Laufe der Zeit erhebliche Dosissteigerungen erforderlich macht. Es können Konzentrationen im Plasma auftreten, die bei nicht toleranten Probanden tödlich sind (s. folgende Tabelle). Antidot einer Opiumintoxikation ist Naloxon.
Plasmakonzentrationen:
Morphin(-derivat)
Plasmakonzentration (mg/L)
Therapeutisch
Toxisch
Komatös-letal
Codein
0,025–0,25
≥0,5
≥1,8
Dihydrocodein
0,03–0,25
≥1
≥2
Morphin
0,01–0,10
≥0,1
≥0,1–4
Literatur
Käferstein H, Sticht G (2009) Morphine and morphine derivatives. In: Külpmann WR (Hrsg) Clincial toxicological analysis. Wiley-VCH, Weinheim, S 240–249