Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. G. Guder

Nüchternheit

Nüchternheit
Synonym(e)
Nahrungskarenz
Englischer Begriff
fasting; overnight food deprivation; 12 hour starvation
Definition
Unter Nüchternheit wird hier der Nahrungszustand des Patienten bei der Blutentnahme definiert. Nüchternheit wird als 12-stündige Nahrungskarenz ohne Einnahme kalorienhaltiger Getränke (insbesondere Alkohol) verstanden.
Beschreibung
Neben der zirkadianen Rhythmik stellt die Nahrungsaufnahme eine der wichtigsten Einflussgrößen in der laboratoriumsmedizinischen Diagnostik dar. Nahrungsaufnahme kann durch folgende Mechanismen die Konzentration der gemessenen Messgrößen verändern:
  • Anstieg durch Resorption über 1–6 Stunden (Triglyzeride, Glukose, Phosphate)
  • Steigerung durch verstärkten Stoffwechsel oder hormonelle Regulation (Insulin, Harnstoff, Leukozyten, Gastrin)
  • Senkung durch reaktive Hemmung der Freisetzung ins Blut (Glukagon, Eisen, Magnesium, Zink, Kreatinin-Clearance)
  • Störung der Bestimmung durch Trübung (methodenabhängig).
Die Referenzintervalle (Referenzintervall) der meisten Messgrößen (Messgröße) sind bei nüchternen Versuchspersonen zwischen 7 und 10 Uhr vormittags gewonnen.
Literatur
Einer G, Zawta B (1991) Präanalytikfibel, Kooperation von Arzt und Labor, 2. Aufl. JA Barth, Leipzig/Heidelberg
Guder WG, Narayanan S, Wisser H, Zawta B (2000) Proben zwischen Patient und Labor, 2. Aufl. GIT-Verlag, Darmstadt
Hagemann P (1994) Qualität im Arztlabor, Optimierung der Präanalytik. Springer, Berlin/Heidelberg/New York