Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
R. Tauber und F. H. Perschel

Okkultblut, fäkales

Okkultblut, fäkales
Synonym(e)
Blut im Stuhl, okkultes
Englischer Begriff
Fecal occult blood (FOB); fecal occult blood test (FOBT)
Definition
Makroskopisch nicht erkennbare Beimengung von Blut im Stuhl, deren Nachweis diagnostisch zur Früherkennung neoplastischer und entzündlicher Erkrankungen oder anderer Blutungsquellen des Gastrointestinaltrakts eingesetzt wird.
Funktion – Pathophysiologie
Zahlreiche unterschiedliche pathologische Prozesse des Gastrointestinaltrakts (Ösophagus, Magen, Dünn- und Dickdarm, Rektum, Anus) können zu Mikro- oder Makroblutungen in das Lumen des Gastrointestinaltrakts führen:
  • Ösophagus: Ösophagusvarizen
  • Magen: Magenulkus, Hiatushernie, Magentumoren
  • Duodenum: Duodenalulkus
  • Dünn- und Dickdarm: benigne und maligne Tumoren, entzündliche Darmerkrankungen, einheimische Sprue, Angiodysplasie, Divertikulitis
  • Rektum, Anus: Tum oren, Hämorrhoiden, Analfissuren
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Für die Probengewinnung stehen Testbriefchen und spezielle Stuhlröhrchen zur Verfügung. Bei Screeninguntersuchungen im Rahmen der Krebsfrüherkennung sollten bei Verwendung des nicht mehr empfohlenen gFOBT jeweils 2 Proben an unterschiedlichen Stellen aus 3 aufeinanderfolgenden Stühlen entnommen und getrennt untersucht werden. Bei der Probengewinnung für den immunologischen Stuhltest (iFOBT) soll die Stuhlprobe mit dem Dosierstab des Stuhlprobenröhrchens an 3–4 Stellen eines Stuhls entnommen werden.
Analytik
Bei der Untersuchung auf okkultes Blut im Stuhl werden unterschiedliche Blutbestandteile mit nicht immunologischen oder immunologischen Methoden nachgewiesen:
  • Die Pseudoperoxidaseaktivität von Hämoglobin mittels der Benzidinprobe (nicht mehr gebräuchlich) bzw. des Guajak-Tests (gFOBT) (nicht quantitativ, Hämoccult-Test, für Screening-Untersuchungen im Rahmen der Krebsfrüherkennung nicht mehr zugelassen bzw. nicht mehr empfohlen).
  • Albumin, Hämoglobin, Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex im Stuhl, Lysozym und α1-Antitrypsin mittels immunologischer Nachweismethoden (iFOBT) (qualitativ, quantitativ oder semiquantitativ). Überwiegend erfolgt der Nachweis von fäkalem Okkultblut durch Nachweis von humanem Hämoglobin. Als quantitative immunchemische Testmethoden werden u. a. die Immunturbidimetrie und der ELISA eingesetzt. iFOBT weisen eine hohe Spezifität auf. Im Unterschied zu gFOBT stellen tierisches Hämoglobin und pflanzliche Peroxidasen (falsch positive Ergebnisse) bzw. Vitamin C (falsch negative Ergebnisse) bei iFOBT keine Störfaktoren dar.
Umrechnungsfaktor zw. konv. u. int. Einheit
Nicht quantitative Tests haben ein positives oder negatives Ergebnis. Für quantitative Bestimmungen ist der Referenzbereich test- und methodenabhängig.
Indikation
  • Screening im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von Darmkrebs; Durchführung mit einem quantitativen iFOBT mit einer Sensitivität von mindestens 25 % und einer Spezifität von mindestens 90 %
  • Nachweis gastrointestinaler Blutungen bei Verdacht auf neoplastische, entzündliche oder ulzeröse Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
Interpretation
Ein positives Ergebnis eines Tests auf okkultes Blut im Stuhl indiziert weiterführende Untersuchungen wie Endoskopie, Röntgen, Sonografie, eingehende körperliche Untersuchung, durch die die verantwortliche Blutungsquelle zu verifizieren ist. Ist mittels solcher weiterführenden Untersuchungen eine Blutungsursache nicht nachweisbar, sind Störungen des Okkultbluttests, die zu falsch positiven Ergebnissen führen, auszuschließen. Der Test ist zu wiederholen. Ein negatives Ergebnis des Okkultbluttests schließt ein Karzinom oder benigne Tumoren nicht aus.
Literatur
Hol L, Wilschut JA, van Ballegooijen M et al (2009) Screening for colorectal cancer: random comparison of guaiac and immunochemical faecal occult blood testing at different cut-off levels. Br J Cancer 100:1103–1110CrossRef
Katsoula A, Paschos P, Haidich A-B et al (2017) Diagnostic accuracy of fecal immunochemical test in patients at increased risk for colorectal cancer. A meta-analysis. JAMA Intern Med. https://​doi.​org/​10.​1001/​jamainternmed.​2017.​2309