Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Stöcker und C. Krüger

Parainfluenza-Viren

Parainfluenza-Viren
Englischer Begriff
parainfluenza virus
Beschreibung des Erregers
Die Parainfluenza-Viren gehören zur Familie Paramyxoviridae und hier zur Subfamilie Paramyxovirinae. Man unterscheidet 4 Serotypen, die in 2 verschiedene Genera fallen. Die menschlichen Parainfluenza-Viren 1 und 3 gehören zum Genus Paramyxovirus, die Serotypen 2, 4a und 4b zum Genus Rubulavirus.
Erkrankungen
Infektionen mit Parainfluenza-Viren treten vor allem im Kleinkindalter auf. Die Durchseuchungsrate bei Kindern bis 10 Jahren liegt bei 90 %. Die Viren sind weltweit verbreitet, und alle Serotypen, außer Serotyp 4, kommen häufig vor. Die Infektionen treten endemisch und epidemisch auf.
Als natürlicher Wirt ist nur der Mensch bekannt. Die Übertragung erfolgt durch direkten Personenkontakt oder durch Tröpfcheninfektion. Die Inkubationszeit beträgt 2–6 Tage. Die Viren lösen grippeähnliche Symptome (Parainfluenza) aus. Oft ist der tiefere Respirationstrakt betroffen, weshalb es zu fieberhafter Laryngotracheobronchitis, Bronchitis, Bronchiolitis oder Bronchopneumonie kommt. Bei schweren Verlaufsformen kann sich im Kindesalter ein Pseudokrupp ausbilden, möglicherweise mit einer allergischen Komponente. Weitere Komplikationen sind Otitis media und bakterielle Superinfektionen mit Pneumokokken, Staphylokokken oder Haemophilus influenzae. Bei immunkompromittierten Patienten mit Systemerkrankungen kann eine Parainfluenza-Infektion tödlich verlaufen. Normale Erwachsene entwickeln nach Infektion nur einen leichten Katarrh des oberen Respirationstrakts. Bei schweren Verlaufsformen ist eine symptomatische Therapie zur Stützung der Lungen- und Kreislauffunktion indiziert.
Analytik
Direktnachweis: Ein Antigennachweis in infizierten Zellen des Respirationstrakts ist durch direkte Immunfluoreszenz oder Enzyme-linked Immunosorbentassay (ELISA) möglich. Parainfluenza-Viren können auch mittels PCR (Polymerase-Kettenreaktion) (reverse transcriptase PCR, RT-PCR) nachgewiesen werden.
Kultur: Die Virusanzucht erfolgt auf geeigneten Zellkulturen (Affennieren-, Verozellen) und die Identifikation durch Prüfung verschiedener Eigenschaften wie Hämadsorption, Hämagglutination, Hämagglutinationshemmung, Hämolyse, direkte Immunfluoreszenz oder ELISA.
Serologie: Serumantikörper gegen Parainfluenza-Viren werden mit ELISA, indirekter Immunfluoreszenz (Immunfluoreszenz, indirekte), Komplementbindungsreaktion, Hämagglutinationshemmtest, Neutralisationstest oder Komplementfixierung untersucht.
Untersuchungsmaterial – Probenstabilität
Direktnachweis und Kultur: Nasenrachen-Absaugsekret, Rachenspülwasser, Rachenabstriche und andere menschliche Proben (PCR). Die Proben sollten gekühlt transportiert und innerhalb von 6 (PCR) und 24 Stunden (Kultur, direkte Immunfluoreszenz) analysiert werden.
Serologie: Serum oder Plasma sind für den Nachweis der Antikörper bei +4 °C bis zu 2 Wochen lang beständig, bei −20 °C über Monate und Jahre hinweg. Zur Tiefkühlkonservierung des IgM kann man den Proben 80 % gepuffertes Glyzerin beifügen.
Diagnostische Wertigkeit
Die Viruskultur und der Antigennachweis sind von primärer Bedeutung, da die serologische Diagnostik wegen der großen Verbreitung der Parainfluenza-Viren und aufgrund von Kreuzreaktionen zwischen den unterschiedlichen Paramyxoviren beeinträchtigt ist. Der spezifische IgM-Nachweis gestattet eine frühzeitige Diagnose, und durch einen signifikanten Anstieg des spezifischen IgG innerhalb von 1–3 Wochen ist eine retrospektive serologische Diagnose möglich.
Literatur
Collins P, Chanock RM, McIntosh K (1996) Parainfluenza viruses. In: Fields virology, 3. Aufl. Lippincott-Raven, Philadelphia, S 1205–1241
Wilks D, Farrington M, Rubenstein D (Hrsg) (2003) The infectious disease manual, 2. Aufl. Oxford: Blackwell, S 346