Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
O. Müller-Plathe

pH-Wert im Blut

pH-Wert im Blut
Englischer Begriff
pH
Definition
Der pH-Wert ist der negative dekadische Logarithmus der Wasserstoffionenaktivität. pH = –lg aH+.
Funktion – Pathophysiologie
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Probenstabilität
Präanalytik
Analytik
Der pH-Wert im Plasma des Vollbluts wird üblicherweise im Rahmen der Blutgasanalyse durch ionenselektive Potenziometrie mittels einer Glaselektrodenkette gemessen. Bei 37 °C beträgt die theoretische Steilheit der Glaselektrode –61,54 mV/ΔpH. Das Gesamtpotenzial der Messkette wird vorrangig modifiziert durch den Zustand der Glaselektrode, der Bezugselektrode sowie durch das Diffusionspotenzial („liquid junction potential“) an der Grenze zwischen Messlösung und der Elektrolytbrücke, die meistens aus konzentrierter KCl-Lösung besteht (Ionenselektive Elektrode).
In einigen Blutgasgeräten auf optischer Basis, wie sie in der patientennahen Sofortdiagnostik (patientennahe Sofortdiagnostik) eingesetzt werden, wird der pH-Wert fluorimetrisch mit einer Optode bestimmt, die auf der pH-abhängigen Änderung der Lumineszenz eines immobilisierten Farbstoffs beruht. Im ebenfalls optisch basierten NPT7 (Radiometer) wird mithilfe der von der Oximetrie bekannten Multiwavelength-Technik die Lichtabsorption einer Membran gemessen, die einen Azofarbstoff enthält, dessen Absorptionsspektrum sich pH-abhängig ändert.
Für Blut-pH-Messungen werden zur Kalibration zwei vom Gerätehersteller gelieferte Pufferlösungen mit pH-Werten nahe 6,8 und 7,4 als sekundäre Standards verwendet, die zurückführbar sein müssen auf Referenzmaterialen von NIST (National Institute of Standards and Technology, Gaithersburg, MD, USA). Die Qualitätskontrolle (s. a. Blutgasanalyse) wird vorwiegend mit wässrigen oder proteinbasierten Lösungen in Ampullen durchgeführt.
Konventionelle Einheit
Dimensionslos.
Internationale Einheit
Dimensionslos.
Referenzbereich – Erwachsene
7,37–7,45.
Referenzbereich – Kinder
7,37–7,45.
Neugeborene: nach 30 Minuten 7,21–7,38; nach 1 Stunde 7,26–7,49; ab 2. Tag 7,29–7,45.
Indikation
Erkennung und Differenzierung von Säure-Basen-Störungen.
Interpretation
Der Begriff pH (p für power oder Potenz von 10) wurde im Jahr 1909 vom dänischen Chemiker Søren Peter Lauritz Sørensen (1868–1939) eingeführt. Der pH-Wert ist ein Maß für die Wasserstoffionenaktivität, die sogenannte aktuelle Azidität einer Flüssigkeit. Die Aufrechterhaltung eines normalen pH (Säure-Basen-Stoffwechsel) in den einzelnen Milieus des Organismus ist für viele Funktionen unabdingbar, u. a. für enzymatische Aktivitäten, kardiale und neuromuskuläre Funktionen sowie den Kaliumhaushalt.
Typische aH+ und pH-Werte von Wasser und einigen Körperflüssigkeiten:
 
Wasserstoffionenaktivität (aH+)
pH
Blutplasma
10–7,4 = 40 nmol/L
7,4
Erythrozytenflüssigkeit
10–7,2 = 63 nmol/L
7,2
Intrazellulärflüssigkeit
10–6,9 = 125 nmol/L
6,9
10–2,0 = 10 mmol/L
2,0
10–4,5–10–8,0 = 10–10000 nmol/L
4,5–8,0
Reines Wasser
10–7,0 = 100 nmol/L
7,0
Der pH-Wert im Blut ist als Resultat der respiratorischen, metabolischen und renalen Einflüsse auf den Säure-Basen-Status die wichtigste Größe der Blutgasanalyse. Abweichungen innerhalb 7,3–7,5 sind als leicht einzustufen. Die Bereiche 7,1–7,3 und 7,5–7,6 kennzeichnen die schwere Dekompensation. Werte unter 7,1 und über 7,6 bedeuten akute Lebensgefahr, besonders wenn sie akut respiratorisch entstanden sind.
Literatur
Maas AHJ, Weisberg HF, Burnett RW et al (1987) Reference method for pH measurement in blood. J Clin Chem Clin Biochem 25:281–289PubMed