Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. G. Guder

Phosphat im Urin

Synonym(e)
Anorganisches Phosphat im Urin
Englischer Begriff
phosphate in urine; phosphaturia
Definition
Ausscheidungsrate anorganischer Phosphate im Urin.
Struktur
Molmasse
Funktion – Pathophysiologie
Anorganische Phosphate werden glomerulär frei filtriert und zu 85–95 % proximal tubulär reabsorbiert. Die Ausscheidungsrate entspricht 5– 15 % der glomerulär filtrierten Menge. Die Phosphatresorption ist abhängig von Parathormon, Calcitonin (hemmen), Vitamin D, Wachstumshormon (fördern). Damit wird die Phosphatausscheidung bei Hyperparathyreoidismus und Calcitonin-bildenden Tumoren gesteigert. Phosphate können auch die Grundlage für Harnsteinbildung sein (Struvit), wenn alkalischer Harn-pH vorliegt (z. B. bei Pyelonephritis).
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
24-Stunden-Sammelurin, für die Berechnung der tubulären Resorption 2–4 Stunden Urin, angesäuert.
Analytik
Konventionelle Einheit
mg/L, mg/24 h.
Internationale Einheit
mmol/L, mmol/24 h.
Umrechnungsfaktor zw. konv. u. int. Einheit
0,0323.
Referenzbereich – Erwachsene
13–42 mmol/24 h.
Fraktionelle tubuläre Resorption >85 % (>0,85).
Indikation
Im Rahmen der Steinmetaphylaxe, bei Kindern zum Ausschluss einer renal tubulären Resorptionsstörung. Nur noch selten benötigt, da Hormonmessungen aussagekräftiger.
Interpretation
Bei Trägern von Struvitsteinen sollte die Phosphatausscheidung <35 mmol/24 h sein und der pH <8,2 gehalten werden.
Diagnostische Wertigkeit
Der diagnostische Wert hat wegen der vielen biologischen Einflussgrößen abgenommen und wurde durch spezifischere Diagnostikmöglichkeiten ersetzt (z. B. PTH-Messung). Auch bei Steinträgern überwiegen die Vermeidung steinbildender Faktoren, insbesondere von Infektionen, sowie die Einhaltung des pH-Werts.
Literatur
Hesse A, Jahnen A, Klocke K, Nolde A, Scharrel O (1994) Nachsorge bei Harnsteinpatienten. Gustav-Fischer-Verlag, Jena/Stuttgart
Soldin SJ, Rifai N, Hicks JMB (1995) Biochemical basis of pediatric disease, 2. Aufl. AACC Press, Philadelphia