Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
T. Arndt

Pilze als Rauschmittel

Pilze als Rauschmittel
Synonym(e)
Zauberpilze; Magische Pilze; Neurotrope Pilze; Psychogene Pilze; Halluzinogene Pilze; Rauschpilze
Englischer Begriff
magic mushrooms
Definition
Pilzfruchtkörper (Pilze) mit psychoaktiven Inhaltsstoffen, die in roher, getrockneter oder aufbereiteter Form zur Erzeugung eines Rauschzustandes konsumiert werden.
Die Abbildung zeigt Vertreter der Gattung Psilocybe. 1 Psilócybe merdária (Fr.); 2 P. copróphila (Bull.); 3 P. bullácea (Bull.); 4 P. atrorúfa (Schff.); 5 P. ericaéa (Pers.); 6 P. semilanceáta (Fr.); 7 P. spadícea (Schff.); 8 P. foenisécii (Pers.); P. physaloides (Bull.) (aus: Ricken 1915; Reproduktion mit freundlicher Genehmigung von www.biolib.de):
Beschreibung
Derzeit finden Pilze (u. a. der Gattungen Psilocybe und Panaeolus) mit den Wirkstoffen Psilocin und Psilocybin besondere Beachtung in der Drogenszene. Zu Wirkung und Metabolismus dieser Halluzinogene s. dort. Die natürlichen Verbreitungsgebiete der Pilze spielen aufgrund der leichten Verfügbarkeit von mit Sporen beimpften Spritzen und Zuchtsubstraten und frischen oder getrockneten Pilzkörpern für die Beschaffung keine Rolle mehr. Der Wirkstoffgehalt schwankt art- und standortabhängig zwischen <1–3 % in der Trockenmasse. Dabei differiert der Anteil der beiden Komponenten von Spezies zu Spezies. Die Pilze werden frisch, getrocknet und z. T. mit anderen Speisen vermischt gegessen. Letzteres soll den wenig angenehmen Geschmack überdecken. Eine psychedelische Wirkung tritt ab ca. 10 mg Gesamtpsilocin (Psilocin + Psilocybin) ein. Ab einer Dosis von 4 mg treten Stimmungsveränderungen auf. Die Wirkung von 15 mg wird als vergleichbar mit einem durchschnittlichen LSD-Trip von 250 μg beschrieben. Als Vorteil wird das geringe Risiko für den vom LSD-Konsum bekannten Horrortrip angegeben. Psilocin und Psilocybin sowie Mycelien, Sporen, Fruchtkörper und Zellkulturen mit diesen Wirkstoffen unterliegen dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG).
Roter Fliegenpilz (Amanita muscaria) und Pantherpilz (Amanita pantherina) gehören zu einer Gruppe von halluzinogenen Pilzen mit z. T. hoher Toxizität. Sie haben deshalb eine zu o. g. Gattungen untergeordnete Bedeutung in der Drogenszene. Der Konsum von frischen, gebratenen und z. B. in Öl eingelegten Amanita-Fruchtkörpern hat dennoch eine lange Tradition (Rätsch 2009). Hiervor wird angesichts der bestehenden Lebensgefahr jedoch ausdrücklich gewarnt.
Literatur
Rätsch C (2009) Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, 9. Aufl. AT Verlag, Aarau
Ricken A (1915) Die Blätterpilze (Agaricaceae) Deutschlands und der angrenzenden Länder, besonders Österreichs und der Schweiz. Verlag Theodor Oswald Weigel, Leipzig
Schläpfer M, Bovens M (2003) Nachweis und quantitative Bestimmung von Psilocin- und Psilocybin in halluzinogenen Pilzen. Toxichem + Krimtech 71(2):158–163