Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Stöcker

Plasmodien

Plasmodien
Englischer Begriff
Plasmodium
Beschreibung des Erregers
Einzellige Blutparasiten.
Domäne: Eucaryota; Abteilung: Alveolata; Stamm: Apicomplexa; Klasse: Haematozoea; Ordnung: Haemosporidia; Familie: Plasmodiidae; Gattung: Plasmodium; Arten: Plasmodium falciparum, P. vivax, P. ovale, P. malariae, P. knowlesi und andere.
Erkrankungen
Malaria tropica (Plasmodium falciparum), tertiana (Plasmodium ovale und P. vivax), quartana (P. malariae), Plasmodium-knowlesi-Malaria.
Verbreitung:
  • P. falciparum: Weltweit in tropischen und subtropischen Gebieten
  • P. vivax: Asien, Lateinamerika und einige Gebiete Afrikas
  • P. ovale: Afrika, Inseln im Westpazifik
  • P. malariae: weltweite Verbreitung
  • P. knowlesi: Südostasien
Vektoren: Stechmücken (Anopheles-Arten). Übertragung auch transplazentar und durch Bluttransfusion oder Organtransplantation möglich.
Wirt: Mensch.
Klinik: Fieberanfälle mit Schüttelfrost und Schweißausbrüchen – bei Malaria tropica und P.-knowlesi-Malaria in kurzen unregelmäßigen Abständen, bei Malaria tertiana: 48-Stunden-Rhythmus, bei Malaria quartana: 72-Stunden-Rhythmus. Dazu Bewusstseinstrübung bis zum Koma, Anämie, Splenomegalie, Diarrhoe, Lungenödem, Nierenversagen. Durch Erregerpersistenz im Blut sind Rückfälle noch mehrere Jahre nach einer Remission möglich. Eine Malariainfektion während der Schwangerschaft führt zu Anämie, Frühgeburt oder verminderter Reife des Fötus. Dabei kann es vorkommen, dass die Frau während der Schwangerschaft selbst kaum Symptome verspürt.
Therapie und Prophylaxe: Zur Behandlung der Malaria stehen heute zahlreiche Medikamente zur Verfügung. Wegen der sich ständig verändernden Resistenzlage sollte man (in Deutschland) bezüglich Prophylaxe und Therapie den jeweils aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (www.dtg.org) folgen.
Bisher hat sich keine Schutzimpfung durchgesetzt. Die Prävention besteht in Vorbeugung von Mückenstichen, Bekämpfung der Vektoren und Chemoprophylaxe. Vor einer Reise in ein Endemiegebiet sollte man sich fachkundig beraten lassen. Eine durchgeführte Malariaprophylaxe schließt eine Malaria nicht aus.
Analytik
Direktnachweis: Die Parasiten können mikroskopisch direkt im Blut festgestellt werden – im Giemsa-gefärbten „Dicken Tropfen“ (veraltet) oder, viel sensitiver und sicherer, in einem Hämatokritröhrchen, das man nach direkter Acridinfluoreszenzfärbung mit Vollblut befüllt und zentrifugiert. Die fluoreszierenden Parasiten reichern sich an der Grenzschicht zwischen Erythrozyten und Plasma (Buffy Coat) an und können hier leicht identifiziert werden. Daneben ist eine Detektion durch PCR-Methoden (PCR (Polymerase-Kettenreaktion)) möglich, und es stehen Malaria-Schnelltests zu immunchromatografischen Nachweis Plasmodien-spezifischer Antigene („histidine-rich protein 2“, Laktatdehydrogenase, Aldolase) zur Verfügung.
Serologie: Nachweis spezifischer Antikörper im Serum zur Identifizierung von ruhenden, symptomlosen und chronischen Infektionen sowie für das Screening von Blutkonserven durch indirekte Immunfluoreszenz (Immunfluoreszenz, indirekte) und Enzymimmunoassay.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Direktnachweis: Vollblut. Die Patientenproben sollten nach der Entnahme bei +4 bis +8 °C aufbewahrt und möglichst innerhalb von 6 Stunden dem Labor zugeführt werden.
Serologie: Serum. Patientenproben für Antikörper sind bei +4 °C bis zu 2 Wochen lang beständig, bei −20 °C über Monate und Jahre hinweg. Zur Tiefkühlkonservierung des IgM kann man den Proben 80 % gepuffertes Glyzerin beifügen.
Diagnostische Wertigkeit
Für den Direktnachweis der Erreger sollte das Blut während einer parasitämischen (Fieber-)Phase abgenommen werden. Der PCR-Nachweis ist für spezielle diagnostische Fragestellungen (forensische Untersuchungen, epidemiologische Studien, genetische Grundlagen von Resistenzen) und bei Infektionen mit geringer Parasitämie sinnvoll. Antigenschnelltests sind in der Regel etwas weniger sensitiv, sie erfassen auch nicht alle Plasmodium-Spezies.
Die Bestimmung von Antikörpern gegen Plasmodien ist Bestandteil der serologischen Differenzialdiagnostik tropischer Fieberkrankheiten. Viele europäische Blutspendeorganisationen testen ihre Konserven regelmäßig auf Anti-Malaria-Antikörper. Dabei ist die Latenzzeit zwischen Infektionszeitpunkt und Reaktivität im Antikörpertest einzukalkulieren.
Differenzialdiagnosen: bakterielle, virale und andere parasitäre Fieberkrankheiten.
Literatur
Centers for Disease Control and Prevention, Atlanta 3. Mai 2016 DPDx-Laboratory identification of parasitic diseases of public health concern. Parasites A-Z Index, Malaria. https://​www.​cdc.​gov/​dpdx/​malaria/​index.​html. Zugegriffen am 20.02.2017
Robert Koch Institut Berlin, Epidemiologisches Bulletin 27. Apr 2015/Nr. 17. Aktuelle Daten und Informationen zu Infektionskrankheiten und Public Health. RKI-Ratgeber für Ärzte, Malaria, S 140–144
Tangpukdee N, Duangdee C, Wilairatana P, Krudsood S (2009) Malaria diagnosis: a brief review. Korean J Parasitol 47(2):93–102CrossRefPubMedPubMedCentral
World Health Organization (2009) Malaria. Fact sheet N 94