Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
K. J. Lackner und D. Peetz

Pro-NT-Brain natriuretic peptide

Pro-NT-Brain natriuretic peptide
Synonym(e)
NT-pro Brain Natriuretic Peptide; NT-proBNP
Englischer Begriff
N-terminal proBrain natriuretic peptide
Definition
Pro-NT-Brain Natriuretic Peptide ist das inaktive N-terminale Fragment, das bei der Prozessierung von proBNP zu BNP entsteht und zur Diagnostik der Herzinsuffizienz klinisch eingesetzt wird.
Struktur
Das intakte N-terminale Fragment des proBNP entsteht nach Abspaltung von BNP-32 (Natriuretische Peptide) und besteht aus 76 Aminosäuren. Daneben können weitere N-terminale Fragmente im Plasma nachgewiesen werden.
Molmasse
NT-proBNP1-76: 8,5 kDa.
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Halbwertszeit
NT-proBNP1-76: 120 Minuten.
Funktion – Pathophysiologie
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Probenstabilität
Serum/Plasma: Raumtemperatur 3 Tage; 2–8 °C 6 Tage; −20 °C 24 Monate.
Analytik
Für die NT-proBNP-Bestimmung stehen verschiedene manuelle und automatisierte Immunoassays, auch als Point-of-Care-Tests, zur Verfügung.
Konventionelle Einheit
pg/mL (ng/L).
Internationale Einheit
pmol/L.
Umrechnungsfaktor zw. konv. u. int. Einheit
pg/mL × 0,118 = pmol/L.
Referenzbereich – Erwachsene
Der Referenzbereich ist abhängig von Alter, Geschlecht und Nierenfunktion. Von internationalen Fachgesellschaften werden einheitliche Cut-off-Werte für die Ausschlussdiagnostik bei Herzinsuffizienz angegeben: Ausschluss nicht akute (chronische) Herzinsuffizienz <125 pg/mL, Ausschluss akute Herzinsuffizienz <300 pg/mL Es existiert kein internationales Referenzmaterial, die Messwerte verschiedener Test sind jedoch auf gereinigtes, synthetisches NT-proBNP-Material rückführbar.
Indikation
  • Differenzialdiagnose der Dyspnoe
  • Diagnose der linksventrikulären Dysfunktion
  • Prognose und Therapiemonitoring der chronischen Herzinsuffizienz
  • Risikostratifikation beim akuten Koronarsyndrom
Interpretation
Die Höhe des NT-proBNP spiegelt den Schweregrad einer Herzinsuffizienz wider und korreliert mit der NYHA-Klassifikation. Beim akuten Koronarsyndrom sind erhöhte NT-proBNP-Konzentrationen mit einer höheren Ereignisrate assoziiert.
Diagnostische Wertigkeit
NT-proBNP weist eine dem BNP (Brain natriuretic peptide) vergleichbare diagnostische Wertigkeit auf. Aufgrund der renalen Elimination der N-terminalen Fragmente muss für NT-proBNP eine stärkere Altersabhängigkeit der Messwerte (s. Messwert) berücksichtigt werden. Für die Diagnose der chronischen Herzinsuffizienz weist NT-proBNP eine Sensitivität und Spezifität von jeweils ca. 90 % auf. Bei akuter Herzinsuffizienz werden altersspezifische Cut-off-Werte mit Sensitivität und Spezifität >90 % bei Patienten <50 Jahre (<450 pg/ml), von 80–90 % im Alter von 50–75 Jahren (<900 pg/ml) und 70–80 % im Alter >75 Jahren (<1800 pg/ml) verwendet. Bei Verwendung eines einheitlichen Cut-off-Werts von <300 pg/ml liegt die Sensitivität bei 99 % bei einer Spezifität von 60 %. Anhand des NT-proBNP-Werts kann auch die Prognose bei chronischer Herzinsuffizienz und eine drohende Verschlechterung des funktionellen Status abgeschätzt werden. Erste Studienergebnisse weisen NT-proBNP auch als geeigneten Marker zum Therapiemonitoring bei chronischer, systolischer Herzinsuffizienz aus. Als Screeningmethode (s. Screening-Untersuchung) für Herzinsuffizienz wird NT-proBNP nicht empfohlen.
Literatur
Januzzi JL, van Kimmenade R, Lainchbury J et al (2006) NT-proBNP testing for diagnosis and short-term prognosis in acute destabilized heart failure: an international pooled analysis of 1256 patients: the International Collaborative of NT-proBNP Study. Eur Heart J 27:330–337CrossRefPubMed
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Yancy CW, Jessup M, Bozkurt B et al (2013) 2013 ACCF/AHA guideline for the management of heart failure. J Am Coll Cardiol 62:e147–e239CrossRefPubMedPubMedCentral