Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Hubl

Prostaglandin E2

Prostaglandin E2
Synonym(e)
PGE2; 7-(3-Hydroxy-2-[3-hydroxyoct-1-enyl]-5-oxo-cyclopentyl)hept-5-ensäure (IUPAC); Dinoproston
Englischer Begriff
prostaglandin E2
Definition
Struktur:
Molmasse: C20H32O5, 352,47 g/mol.
Prostaglandin E2 gehört zur Gruppe der Prostaglandine
Beschreibung
Prostaglandin E2 wird als Hauptprostaglandin im Nierenmark und in geringerem Maß in der Nierenrinde gebildet. Es wird durch die Prostaglandin-E-Synthase aus Prostaglandin H2 synthetisiert. In vivo wird PGE2 rasch in einen inaktiven Metaboliten (13,14-Dihydro-15-keto-PGE2) durch den Prostaglandin-15-Dehydrogenase-Weg umgewandelt. Die Halbwertszeit von PGE2 im Kreislaufsystem beträgt ca. 30 Sekunden.
Es bindet an 4 Unterformen von G-Protein-gekoppelten Prostaglandin-E-Rezeptoren (EP1–EP4) mit unterschiedlichen Wirkungen:
  • In der Niere stimuliert PGE2 die Freisetzung von Renin und damit die Gefäßerweiterung und Nierendurchblutung.
  • Beim Bartter-Syndrom, ein seltener hyperreninämischer Hyperaldosteronismus, kommt es zu einer vermehrten Ausschüttung von Prostaglandin E2 und damit zu einer Stimulation des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems.
  • PGE2 ist an der Entstehung von Entzündungen beteiligt, wobei es die Gefäßpermeabilität, die Rötung und das Schmerzempfindung beeinflusst.
  • Im Hypothalamus erhöht PGE2 über die Endothelzellen die Körpertemperatur (Fieberreaktion).
  • PGE2 schützt den Magen durch die Reduktion der Magensäuresekretion, Steigerung der Durchblutung der Magenschleimhaut sowie durch Stimulation der Freisetzung von viskösem Schleim und neutralisierendem Bikarbonat.
  • In der Lunge senkt PGE2 den Tonus der Bronchialmuskulatur und bewirkt damit eine Weitung der Bronchien.
  • Des Weiteren steigert PGE2 die Knochenresorption und hemmt die Lipolyse.
Verschiedene Tumorzellen bilden große Mengen an PGE2, die z. B. als Indikator für Kopf-Hals-Tumoren im Frühstadium diskutiert werden.
Untersuchungsmaterial: Serum, Plasma, Urin, Speichel.
Analytik: Immunoassay, ELISA (Enzyme-linked Immunosorbent assay), Flüssigkeitschromatographie-Tandem-Massenspektrometrie (LC-MS/MS)
Referenzbereiche – Erwachsene: Plasma: 3–12 pg/ml.
PGE2 (Dinoproston) wird als wehenförderndes Mittel in der Geburtshilfe zur Erweiterung des Muttermunds und Auslösung der Kontraktionen der Gebärmutter eingesetzt. Als direkter Vasodilatator entspannt PGE2 die glatte Muskulatur und hemmt die Freisetzung von Noradrenalin.
Literatur
Brochhausen-Delius C (2014) Prostaglandin E2 – Innovative Ansätze für das Tissue Engineering von Gelenkknorpel. Pathologe 35(Suppl 2):264–270CrossRefPubMed
Schmitt JA (2010) Untersuchungen zur potentiellen Bedeutung von PGE2 als Tumormarker. Dissertation Medizinischen Fakultät der Universität Hamburg
Uhl B (2013) Gynäkologie und Geburtshilfe compact, 5. Aufl. Georg-Thieme-Verlag, Stuttgart/New York, S 280–282