Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
O. Müller-Plathe

Sauerstoffpartialdruck

Sauerstoffpartialdruck
Synonym(e)
Sauerstoffspannung
Englischer Begriff
partial pressure of oxygen; oxygen tension
Definition
Molmasse
Sauerstoff: 31,998 g.
Funktion – Pathophysiologie
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Heparinisiertes Blut, Blutgasanalyse.
Probenstabilität
Präanalytik
Analytik
Die Messung erfolgt im Rahmen der Blutgasanalyse mit einer amperometrischen Messzelle (Amperometrie), bestehend aus einer Platinkathode (Kathode), Phosphatpufferlösung und einer Silber/Silberchlorid-Anode (Referenzelektrode). Diese Anordnung ist durch eine gasdurchlässige Membran (meistens Polypropylen) vom Blut in der Messkammer getrennt (Clark-Elektrode, s. Sauerfstoffpartialdruck). Mit einer Kathodenspannung von 650 mV werden die in die Zelle diffundierenden O2-Moleküle reduziert. Die Stärke des dabei entstehenden Reduktionsstroms (Größenordnung nA) hängt ab von der Menge der in der Zeiteinheit diffundierenden O2-Moleküle und damit von pO2. Die Kalibration erfolgt mit einem O2-freien und einem ca. 12 % O2-enthaltenden (dem Bereich um 85 mmHg entsprechend) zertifizierten Gasgemisch.
Qualitätskontrolle Blutgasanalyse. Alternativ wird pO2 in einigen Geräten für das POCT (point of care testing, (Patientennahe Sofortdiagnostik) mit optischen Methoden gemessen: entweder wie beispielsweise im OPTI (Firma Osmetech) mit einer spezifischen fluorimetrischen „Optode“ oder wie im NPT7 (Firma Radiometer) durch Nutzung der Eigenschaften des Sauerstoffs die Abklingzeit eines zur Phosphoreszenz angeregten Farbstoffs zu verkürzen.
Konventionelle Einheit
mmHg.
Internationale Einheit
kPa.
Umrechnungsfaktor zw. konv. u. int. Einheit
mmHg×0,1333 =kPa; kPa×7,5=mmHg.
Referenzbereich – Erwachsene
Arteriell: 80–105 mmHg; 10,6–14,0 kPa.
Gemischt-venös: 36–44 mmHg; 4,8–5,9 kPa.
Referenzbereich – Kinder
s. Erwachsene. Neugeborene: arteriell (nach 30 Minuten): 31–85 mmHg; 4,1–11,3 kPa.
Indikation
Beurteilung der Lungenfunktion, Kontrolle der künstlichen Beatmung und der Sauerstofftherapie.
Interpretation
Der arterielle pO2 ist kein Maß für die Sauerstoffversorgung des Organismus, sondern lediglich für die Arterialisierung des Bluts in der Lunge, die bestimmt wird durch die Lungenfunktion, den Sauerstoffgehalt der Einatmungsluft und den Luftdruck.
pO2-Verminderung mit pCO2-Erhöhung ist Ausdruck alveolärer Hypoventilation. Beispiele: bronchostenotisches Emphysem; neurologisch, muskulär oder medikamentös bedingte Atemstörungen.
pO2-Verminderung ohne pCO2-Erhöhung kommt vor bei Lungenerkrankungen, bei denen Störungen des Belüftungs-Durchblutungs-Verhältnisses, der Diffusion oder der Perfusion im Vordergrund stehen. Beispiele: Pneumonie, Atelektase, Tumor, Fibrose, Lungenödem, Rechts-Links-Shunt, mangelnde Sauerstoffzufuhr.
Bei der Höhenatmung liegt eine pO2-Verminderung gemeinsam mit einer pCO2-Erniedrigung (respiratorische Alkalose) vor.
pO2-Erhöhung ist Folge von Sauerstoffanreicherung in der Einatmungsluft, meistens im Rahmen künstlicher Beatmung oder Intubationsnarkose.
Diagnostische Wertigkeit
Leichte Hypoxämie von 65–80 mmHg ist bei sehr alten Patienten nicht immer Ausdruck einer manifesten Lungenerkrankung. Werte von 50–65 mmHg stellen bereits eine Gefahr dar und müssen diagnostisch abgeklärt werden. Werte <50 mmHg sind lebensgefährlich und erfordern eine sofortige Intervention.
Literatur
Clark LC (1956) Monitor and control of blood and tissue oxygen tensions. Trans Am Soc Artif Intern Organs 2:41–48