Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
O. Müller-Plathe

Sauerstoffsättigung

Sauerstoffsättigung
Synonym(e)
sO2
Englischer Begriff
oxygen saturation
Definition
Anteil des Oxihämoglobins am bindungsfähigen Hämoglobin:
$$ s{\mathrm{O}}_2=\frac{c{\mathrm{O}}_2\mathrm{Hb}}{c{\mathrm{O}}_2\mathrm{Hb}+c\mathrm{HHb}} $$
Oxihämoglobinfraktion (f   O2Hb) s. Abschn. Interpretation.
Funktion – Pathophysiologie
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Probenstabilität
Präanalytik
Analytik
Sauerstoffsättigung und Oxihämoglobinfraktion können in Blutgasanalysatoren mit Oximetereinrichtung gemeinsam mit den weiteren Hb-Fraktionen gemessen werden (Oximetrie). Die automatische Berechnung der Sauerstoffsättigung aus pO2 und pH, bei der Verschiebungen der O2-Dissoziationskurve unberücksichtigt bleiben, ist obsolet.
Konventionelle Einheit
Prozent (%).
Internationale Einheit
Dimensionslos (Fraktion).
Umrechnungsfaktor zw. konv. u. int. Einheit
0,01.
Referenzbereich – Erwachsene
Arteriell: 95,0–98,5 %; 0,950–0,985.
Gemischt-venös: 70,0–80,0 %; 0,700–0,800.
Referenzbereich – Kinder
s. Erwachsene. Neugeborene: arteriell: 40–90 %; 0,40–0,90.
Indikation
Beurteilung der Lungenfunktion, Kontrolle der künstlichen Beatmung und der Sauerstofftherapie.
Interpretation
Erniedrigte sO2 im arteriellen Blut spricht für mangelhafte Arterialisierung in der Lunge. Ursachen dafür Sauerstoffpartialdruck. sO2 ist wegen des fast horizontalen Verlaufs der O2-Dissoziationskurve im oberen Bereich für die Beurteilung der Lungenfunktion deutlich weniger sensitiv als pO2.
f   O2Hb
Im klinischen Sprachgebrauch wird oft die Fraktion des O2Hb vom gesamten Hämoglobin ebenfalls als Sauerstoffsättigung bezeichnet. Die korrekte Bezeichnung dieser Größe lautet aber Oxihämoglobinfraktion (f   O2Hb), engl. „fractional Oxihemoglobin“:
$$ f{\mathrm{O}}_2\mathrm{Hb}=\frac{c{\mathrm{O}}_2\mathrm{Hb}}{c{\mathrm{O}}_2\mathrm{Hb}+c\mathrm{HHb}+\mathrm{COHb}+\mathrm{MetHb}+\mathrm{SulfHb}} $$
f   O2Hb ist normalerweise um etwa 0,01–0,02 (1–2 %) niedriger als sO2. Der Referenzbereich reicht deshalb bis etwa 0,940 (94 %). Unter pathologischen Bedingungen wie Kohlenmonoxideinwirkung oder Methämoglobinämie unterscheiden sich fO2Hb und sO2 gravierend. Für einen Raucher mit fCOHb=0,08 und fMetHb=0,02 errechnet sich bei sO2 von 0,96 ein fO2Hb von 0,86.
Diagnostische Wertigkeit
Werte zwischen 0,85 und 0,93 im arteriellen Blut stellen bereits eine Gefahr dar und müssen diagnostisch abgeklärt werden. Werte <0,85 sind lebensgefährlich und erfordern eine sofortige Intervention.