Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
A. M. Gressner und O. A. Gressner

Sekretin-Pankreozymin-Test

Sekretin-Pankreozymin-Test
Synonym(e)
S-CCK-Test; Sekretin-Caerulein-Test; Sekretin-Cholecystokinin-Test; Sekretin-Takus-Test; SPT
Englischer Begriff
secretin-pancreozymin test; secretin-CCK test
Definition
Invasiver Sondentest zur Diagnostik der exkretorischen (digestiven) Pankreasinsuffizienz, bei dem nach sequenzieller intravenöser Gabe von Sekretin und Pankreozymin (Caerulein) (Cholecystokinin) der Sekretionsausstoß von Bicarbonat und einiger repräsentativer Pankreasenzymaktivitäten im aspirierten Pankreas- bzw. Duodenalsaft quantitativ bestimmt wird. Aufgrund seiner hohen Spezifität und Sensitivität gilt der SPT als Referenzmethode.
Durchführung
Nach 12-stündiger Nahrungskarenz Einführung einer doppelläufigen Lagerlöf-Sonde in Rechtsseitenlage unter Röntgenkontrolle, Positionierung im Duodenum auf Höhe des Sphinkter Oddi (s. Abbildung im Stichwort Lundh-Test). Absaugen und Verwerfen des 1. Aspirates. Es schließen sich an: 30-minütige Basalphase mit Messung des sezernierten Volumens, der Bicarbonat- und Enzymsekretion, 30- bis 60-minütige Sekretin-Infusionsphase (1 CU/kg KG/h), Messung von sezerniertem Volumen, Bicarbonat- und Enzymsekretion, 30-minütige Phase zusätzlicher Caerulein-(Cholecystokinin-)Infusion (75 ng/kg KG/h): Duodenalsaftaspiration in 15-minütigen Intervallen und Messung von sezerniertem Volumen, Bicarbonat- und Enzymsekretion (Trypsin, Chymotrypsin, Amylase, pankreasspezifische, Lipase, pankreatische). Aspirat muss eisgekühlt gesammelt und gelagert werden.
Funktion – Pathophysiologie
Unter Sekretininfusion erhöht sich der Volumen- und Bicarbonatausstoß, unter zusätzlicher CCK(Caerulein)-Infusion wird die Enzymsekretion stimuliert. Erniedrigungen der gesamten Messwerte gelten als empfindlichste Indikatoren einer exkretorischen Pankreasinsuffizienz.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Aspirierter Duodenalsaft bzw. Pankreassekret nach Sondierung des Ductus pancreaticus. Probensammlung in eisgekühlten Messzylindern.
Präanalytik
Absetzen oraler Enzymsubstitutionspräparate mindestens 3 Tage und 12-stündige Nahrungskarenz vor Testdurchführung. Eisgekühlte Asservierung des Duodenalsafts bis zu 8 Stunden.
Analytik
Messung von sezerniertem Volumen/30 Minuten, Bicarbonatmenge/30 Minuten, Bicarbonatkonzentration sowie Amylase- (Amylase, pankreasspezifische), Lipase- (Lipase, pankreatische), Trypsin- und Chymotrypsin-Aktivitätsmengen/30 Minuten.
Referenzbereich – Erwachsene
Testdurchführung ist nicht standardisiert, weshalb keine allgemein verbindlichen Referenzbereiche existieren.
Richtwerte:
Referenzbereiche 30 min nach Sekretin
 
Volumen
>67 mL/30 min
Bicarbonatkonzentration
>70 mmol/L
Bicarbonatsekretion
12.000 U/30 min
Referenzbereiche 30 min nach Caerulein
 
Lipase
>65.000 U/min
Trypsin
>30 U/30 min
Chymotrypsin
1200–6000 U/30 min
Amylase
>12.000 U/30 min
Indikation
Diagnostik der exokrinen Pankreasinsuffizienz.
Interpretation
Der aufwendige, invasive Funktionstest gilt als Goldstandard (Referenztest) der exokrinen Pankreasinsuffizienz. Nachteil besteht in der fehlenden Standardisierung der Testdurchführung.
Entsprechend dem Testergebnis des S-CCK-Tests lässt sich die Pankreasinsuffizienz in folgende Schweregrade einteilen:
  • Leichte Pankreasinsuffizienz:
    • Bicarbonatkonzentration normal
    • Sekretion eines oder mehrerer Enzyme erniedrigt
    • Stuhlfettausscheidung normal
  • Mittelschwere Pankreasinsuffizienz:
    • Bicarbonatkonzentration erniedrigt
    • Sekretion aller Enzyme erniedrigt
    • Stuhlfettausscheidung normal.
  • Schwere Pankreasinsuffizienz:
    • Bicarbonatkonzentration erniedrigt
    • Sekretion aller Enzyme erniedrigt
    • Steatorrhoe
Diagnostische Wertigkeit
Sensitivität beträgt im Mittel 92 % (80–90 %), Spezifität 94 %. Damit ist der S-CCK-Sondentest sensitiver als indirekte Pankreasfunktionsteste wie Pankreolauryltest, PABA-Test, Stuhlfett, Stuhlgewicht (Stuhltrockengewicht) und Chymotrypsin im Stuhl. Die fäkale Elastase-1-Ausscheidung (Elastase, pankreasspezifische, PE) soll ähnliche Sensitivitäten und Spezifitäten wie der S-CCK-Test haben.
Literatur
Otte M (1979) Pankreasfunktionsdiagnostik. Internist 20:331–340PubMed
Stein J, Wehrmann T (Hrsg.) Funktionsdiagnostik in der Gastroenterologie, 2. Aufl. 2006. Springer Medizin Verlag, Heidelberg