Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Stöcker und C. Krüger

Sofortdiagnostik, immunologische

Sofortdiagnostik, immunologische
Synonym(e)
Immunschnelltests
Englischer Begriff
rapid immunotests
Definition
Patientennahe qualitative oder quantitative immunologische Einzelmessungen von Antigenen oder Antikörpern ohne aufwendige Probenvorbereitung, unter Verwendung gebrauchsfertiger Reagenzien.
Einsatzgebiete
Patientennahe, von ungeschultem Personal oder vom Patienten selbst ausführbare immunologische Analytik, die innerhalb weniger Minuten zu leicht interpretierbaren Ergebnissen führt. Der Nachweis des humanen Choriogonadotropins (HCG; Choriongonadotropin, humanes) im Urin (Schwangerschaftstest) war einer der ersten verfügbaren kommerziellen Schnelltests. Mittlerweile gibt es in der Human- und Veterinärmedizin eine Vielzahl immunologischer Schnelltestsysteme. Zum direkten Nachweis von Viren (z. B. HIV-1 und -2, Influenza-Viren A, B und C und Hanta-Viren), Bakterien (Legionellen, Helicobacter, Streptokokken), Pilzen (Candida albicans) oder Parasiten (Plasmodium falciparum) oder zur Untersuchung von Antikörpern bei Autoimmun- und Infektionserkrankungen und Allergien (rheumatoide Arthritis, Zöliakie, Borreliose, allergische Diathese). In der Landwirtschaft weist man mit immunologischen Schnelltests Pestizide nach, bei Verkehrskontrollen Drogen, wie Amphetamine und Tetrahydrocannabiol (Cannabinoide), in der Lebensmittelindustrie Histamin im Fisch.
Analytik
Die Testsysteme für die immunologische Sofortdiagnostik basieren größtenteils auf den gleichen Prinzipien wie konventionelle Assays (Enzyme-linked Immunosorbentassay, Immunfluoreszenz, indirekte, Western blot etc.). Ein Beispiel ist das sogenannte Lateral-flow-Prinzip: Die zu untersuchende Probe wird durch Kapillarkräfte über eine Nitrocellulosemembran gezogen, um dort mit gebundenen Antikörpern (oder Antigenen) zu reagieren. Als Nachweisreagenzien dienen in der Regel mit Gold oder farbigen Latexpartikeln markierte Antigene (oder Antikörper), die in einem zweiten Inkubationsschritt eine visuell identifizierbare Reaktionsbande erzeugen.
Bei anderen Tests wird durch die immunologische Reaktion eine Enzymaktivität beeinflusst, was, über Biosensoren vermittelt, elektrochemische Signale hervorruft. Es gibt auch „homogene Immunschnelltests“, bei denen Probe, Konjugat und Substrat in einem Schritt gemeinsam inkubiert werden.
Probenmaterial
Serum, Plasma, Vollblut, Kapillarblut, Speichel, Stuhl, Urin, Liquor.
Diagnostische Wertigkeit
Für einige Analyte sind sehr empfindliche immunologische Schnelltests mit Sensitivitäten (Sensitivität, diagnostische) über 98 % verfügbar, z. B. Schwangerschaftstest, HIV-Nachweis. Oft leidet aber die entsprechende Spezifität aufgrund der sehr kurzen Reaktionszeiten, sodass positive Reaktionen nach Möglichkeit in etablierten kompetenten Laboratorien mit konventionellen Testsystemen bestätigt werden sollten. Unentbehrlich sind immunologische Schnelltests unter anderem bei Verdacht auf lebensbedrohliche Erkrankungen, die rasches Handeln erfordern, wie Myokardinfarkt oder Septikämie.
Literatur
Luppa PB, Schlebusch H (Hrsg) (2008) POCT – Patientennahe Labordiagnostik. Springer, Heidelberg/Berlin/New York, S 382
Stürenburg E, Junker R (2009) Point-of-care testing in microbiology: the advantages and disadvantages of immunochromatographic test strips. Dtsch Ärztebl Int 106:48–54PubMedPubMedCentral