Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
T. Arndt

Speichel und Drogen

Speichel und Drogen
Synonym(e)
Drogenscreening in Speichel; Mundflüssigkeit und Drogen
Englischer Begriff
saliva and drugs; oral fluid and drugs; drug screening in oral fluid/saliva
Definition
Nachweis von Drogen in Speichel bzw. Mundflüssigkeit.
Beschreibung
Drogen und deren Metabolite gelangen durch passive Diffusion aus dem Blut, Filtration, aktive Sekretion und orale Kontamination in die Mundflüssigkeit (s. Anmerkung unten) und können dort einen kurzzeitig zurückliegenden Drogenkonsums anzeigen.
Mit der Verfügbarkeit geeigneter Speichelsammelsysteme steigt das Interesse an Speichel bzw. Mundflüssigkeit als alternative Matrix zu Blut und Urin. Sie bietet z. B. Vorteile bei der Probennahme. Diese ist nicht invasiv (wie die Blutentnahme), nicht die Intimsphäre berührend (wie die Urinabgabe unter Sichtkontrolle) und im Beisein einer Aufsichtsperson weitgehend manipulationssicher. Weitere Vorteile sind im Vergleich zu Urin die Nachweisbarkeit der Muttersubstanzen und eine einheitlichere Matrix und im Vergleich zu Blut die zumeist höheren Analytkonzentrationen.
Die Probensammlung kann über Adsorbentien wie Watte oder Zellstoff erfolgen (Speichelgewinnung) oder über ein flüssigkeitsbasiertes Sammelsystem. Bei letzterem werden z. B. 4 mL einer mit Lebensmittelfarbstoff markierten, schwach sauren Pufferlösung 2 Minuten im Mund belassen und dann in einen Becher ausgespuckt. Das Gemisch wird anschließend in Probenröhrchen überführt und analysiert.
Bei diesem Verfahren dienen der saure pH einer forcierten Speichelsekretion und der Farbstoff der kolorimetrischen Bestimmung des Anteils an Mundflüssigkeit im Gemisch. Zusätzlich werden Kortisol und Amylaseaktivität als wichtige Speichelcharakteristika bestimmt, um Manipulationen durch ggf. in den Backentaschen abgelegte Flüssigkeiten zu erkennen. Drogenscreenings in Mundflüssigkeit ergaben z. B. im Vergleich zu Urinscreenings höhere Nachweisraten für Amphetamin- und Heroinkonsum.
Derzeit noch nicht abschließend geklärte Fragen betreffen alle Phasen der Erstellung eines analytischen Befundes.
Präanalytik
Einfluss physiologischer und pathologischer Zustände (z. B. hoher Sympathikotonus oder generelle Mundtrockenheit), Stabilität der Analyte im Speichel.
Analytik
Probenvorbereitung, Extraktionsverfahren, analytische Sensitivität im niedrigen pg/mL-Bereich (niedriger als im Urin), Qualitätskontroll- und Ringversuchsmaterial adäquater Matrix.
Postanalytik/Interpretation
Standardisierung der Matrix (ähnlich zum Kreatininbezug für Urinanalysen), Wirkstoffkonzentrations-Wirkungs-Beziehungen, Speichel-Blut-Konzentrationsverhältnisse, Entscheidungsgrenzen (cut-offs).
Anmerkung
Im Bereich der Klinischen Chemie wird zumeist der Begriff Speichel (engl. „saliva“) benutzt, im Bereich der forensischen Toxikologie und Arbeitsmedizin, insbesondere im Drogenscreening, der Begriff Mundflüssigkeit, da er die tatsächlich im Mundraum gewonnene Probenmatrix, die kein reiner Speichel ist, besser beschreibt.
Literatur
Boettcher M (2014) Drogen- und Medikamententestung im Speichel. Trillium Diagnostik 2:82-83
Wille SM, Baumgartner MR, Fazio VD, Samyn N, Kraemer T (2014) Trends in drug testing in oral fluid and hair as alternative matrices. Bioanalysis 6:2193–2209CrossRefPubMed