Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. G. Guder

Störgrößen

Störgrößen
Synonym(e)
Störfaktor
Englischer Begriff
interference factor; interferent
Definition
Störgrößen sind Stoffe oder Mechanismen, die das Ergebnis der Analyse eines definierten Analyten durch analytische Interferenz verändern. Sie sind Bestandteil der Matrix in der analytischen Probe und sind in ihrer Struktur verschieden vom Analyten (Analyt).
Beschreibung
Herkunft von Störgrößen: Sie können nach ihrer Herkunft und/oder nach der Natur der Störung eingeteilt werden:
  • Ex vivo endogen: Die Störgröße stellt einen normalen oder pathologischen Bestandteil der Matrix dar, der mit der angewendeten Methode positiv oder negativ interferiert. Beispiele: endogene Antikörper, die die Messung des Antigens stören; Hämolyse, die optisch oder durch chemische Interferenz die Quantifizierung von z. B. Bilirubin stört; Lipämie, die durch Trübung oder Verminderung des Wasserraumes zu falschen Ergebnissen verschiedener Analyten führt; ikterische Proben, die durch ihre Farbe oder durch Vorhandensein pathologisch hoher Metabolite (z. B. Gallensäuren) mit der Analytik interferieren.
  • Ex vivo exogen: Die Störgröße kommt von außen (z. B. als Nahrungsbestandteil oder als Therapeutikum) in den Patienten und so mit der Probe in die Analytik. Beispiele: Arzneimittelinterferenzen, Verfärbungen des Urins durch Nahrungsbestandteile.
  • In vitro exogen: Die störende Substanz wird nach Gewinnung der Probe dem Untersuchungsmaterial zugesetzt und stört durch optische, chemische oder immunologische Interferenz. Beispiele: Kontamination durch Staub oder andere Fremdstoffe bei Öffnung des Probenröhrchens; Störung durch Antikoagulanzien oder damit in die Probe eingebrachte endogene Stoffe (z. B. Fibrinogen bei Verwendung von Heparin) oder exogene Begleitstoffe (z. B. Zusätze von Stopfen und sog. Trenngelen).
Maßnahmen zur Vermeidung unerwünschter Störungen – jedes unerwartete oder mit anderen Symptomen oder Befunden des Patienten nicht in Einklang befindliche Ergebnis sollte auf Störgrößen geprüft werden:
  • Vergleich mit dem Ergebnis, das mit einer zweiten Methode mit anderem Mechanismus gewonnen wurde.
  • Bei Feststellung eines Unterschieds zweier Ergebnisse aus der gleichen Probe mit zwei Methoden Versuch der Aufklärung des Mechanismus und der Störsubstanz in der Probe.
  • Information über die zum Zeitpunkt der Probengewinnung in der Probe befindlichen Medikamente, die Art des Antikoagulans und des Probengefäßes und der Transportbedingungen. Überprüfung möglicher Interferenzen durch Vergleich mit vorhandenen Datenbanken.
Bei häufigem Auftreten des gleichen Störfaktors ist ein Wechsel zu einer spezifischeren Methode zu empfehlen.
Literatur
Guder WG, Hagemann P, Wisser H, Zawta B (2007) Fokus Patientenprobe. Kompendium Präanalytik. BD, Heidelberg. Schwechat, Basel
Guder WG, Fiedler GM, da Fonseca-Wollheim F, Schmitt Y, Töpfer G, Wisser H, Zawta B (2015) Quality of Diagnostic Samples. 4th Ed. BD Diagnostics, Preanalytical Systems, Oxford
ISO EN DIN 15189 (2012) Medical laboratories – particular requirements for quality and competence. Geneva, Bruxelles, Berlin
Raffick A, Bowen R, Adcock-Funk DM (2015) Interferences from blood sampling device materials on clinical assays: I Blood collection devices and their constituents and additives. II Special devices and procedures; recommendations. In: Guder WG, Narayanan S (Hrsg) Pre-examination procedures in laboratory diagnostics. Walter de Gruyter, Berlin/Boston, p 170–216
Young DS (2000) Effects of drugs on clinical laboratory tests, 5. Aufl. AACC Press, Washington, DC