Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
C. Vidal und W.-R. Külpmann

Thallium

Thallium
Englischer Begriff
thallium
Definition
Schwermetall (III. Hauptgruppe).
Molmasse
Relative Atommasse: 204,383.
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Nach oraler Zufuhr verteilt sich Thallium (Tl) rasch in den Geweben, in das Zentralnervensystem wird es allerdings langsam aufgenommen. Tl wird langsam renal eliminiert.
Halbwertszeit
2–4 Tage (Plasma).
Funktion – Pathophysiologie
Die akute Vergiftung ist häufig bedingt durch die orale Zufuhr von Thalliumsulfat (Rodentizid). Als tödlich gelten Dosen ab 8 mg/kg KG. Es wird vermutet, dass die Thalliumionen sulfhydrylhaltige Enzyme hemmen. Bei der Vergiftung tritt zunächst Erbrechen auf. Nach einem 2- bis 4-tägigen symptomfreien Intervall treten Obstipation, neuralgiforme Schmerzen, Hyperästhesie und Sehstörungen, später und bei chronischer Intoxikation büschelförmiger Haarausfall und die Mees-Bänder an den Nägeln auf.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Urin, Blut.
Analytik
Atomabsorptionsspektrometrie, inverse Voltammetrie (s. Voltammetrie, zyklische und inverse, fotometrische Bestimmung nach Farbreaktion.
Indikation
Verdacht auf akute oder chronische Vergiftung. Die fotometrische Bestimmung erfasst nur toxische Konzentrationen.
Interpretation
Referenzbereich (Urin): <2 μg/L; toxisch: >250 μg/L.
Literatur
Degel F, Gibitz HJ, Aderjan R, Daldrup T (2009) Thallium. In: Külpmann WR (Hrsg) Clincial toxicological analysis. Wiley-VCH, Weinheim, S 664–678