Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
T. Stief und P. Kiefer

Thromboplastinzeit

Thromboplastinzeit
Synonym(e)
TPZ; Quick-Test
Englischer Begriff
thromboplastin time; prothrombin time (PT); tissue factor (TF)-induced coagulation time
Definition
Der Thromboplastinzeit-Test misst die Gerinnungszeit vom Zeitpunkt des Zusatzes des Reagenzes, welches Faktor VII (F7) aktiviert bis zur Bildung eines Gerinnsels. Damit bestimmt dieser Test das Extrinsic-System und die gemeinsame Endstrecke der Gerinnungskaskade. Das Prinzip der Thomboplastinzeit ist oben dargestellt (verglichen mit TF ist F10a allerdings ein schwacher F7-Aktivator).
Physikalisch-chemisches Prinzip
Thromboplastin (TF), Phospholipide und Calcium-Ionen werden dem Patientenplasma zugesetzt und die Zeit bis zur Bildung eines Fibringerinnsels gemessen. Thromboplastin kann aus Gewebsextrakten verschiedener Organe (Hirn, Lunge, Plazenta) gewonnen werden, dem Extrakt kann Calciumchlorid zugesetzt sein („plain thromboplastin“), oder es kann zusätzlich mit Gerinnungsfaktor I und V angereichert sein („combined thromboplastin“). Heute werden immer mehr Thromboplastine mit rekombinantem Tissue Factor (TF) und mit einem chemisch definierten Phospholipidanteil eingesetzt. Die verschiedenen Thromboplastine weisen eine unterschiedliche Empfindlichkeit für Faktorenmangel (insbesondere F7, F2) auf. TF aktiviert F7 zu F7a. Die gemessene Gerinnungszeit verhält sich invers zu der Aktivität der Faktoren II, V, VII, X (2, 5, 7, 10) und nur bedingt zu der Fibrinogenkonzentration. Die heutigen Tests weisen eine hohe Präzision auf (Variationskoeffizienten 1–3 %). Das Ergebnis des TPZ-Tests kann in verschiedenen Einheiten erfasst werden, und die Normwerte sind abhängig von dem benutzten Gerät und dem eingesetzten Reagenz:
  • Der Quick-Wert (Quick, Armand James) wird in Relativprozent (%) der Gerinnungsaktivität angegeben und lässt sich der Aktivität der einzelnen Gerinnungsfaktoren leichter zuordnen. Der Referenzbereich liegt zwischen 70–130 %.
  • Die TPZ (PT) wird in Sekunden angegeben.
  • Prothrombin-Time-Ratio (PR) ist der Quotient gebildet aus der TPZ des Patientenplasma und der eines Normalplasmapools.
  • International Normalized Ratio (INR) korrigiert die PR durch den International Sensitivity Index (ISI), ein geräteabhängiger, chargenspezifischer Korrekturfaktor des jeweiligen Thromboplastins, der im Vergleich zu einer WHO-Referenzpräparation ermittelt wurde. Der Referenzbereich liegt zwischen 1,17 und 0,84.
Einsatzgebiet
Überwachung der oralen Antikoagulation mit Cumarinen, Gruppentest der Gerinnungsaktivität zur Erfassung von Blutungsneigungen, zur Beurteilung der Lebersyntheseleistung, zur Diagnose bei „consumption-coagulopathy“.
Untersuchungsmaterial
Citratplasma, Citratblut, Kapillarvollblut (In Point-of-care-TPZ-Testmethoden wird die Bestimmung mit einem einzigen Tropfen Kapillarvollblut durchgeführt; Patientennahe Sofortdiagnostik).
Instrumentierung
Der Quick-Test lässt sich auf verschiedene Geräte (Großgeräte und Vollautomaten) adaptieren und mit verschiedenen Messprinzipien durchführen: mechanische Messung mit der Häkchenmethode oder Kugelmethode in einem Koagulometer, durch Trübungsmessung, chromogene Messung oder Kombination einer optischen mit einer mechanischen Messung zur Erfassung der Fibrinbildung.
Spezifität
Bestimmt im Wesentlichen die Integrität des Extrinsic-Systems und die Aktivität der Faktoren l, II, V und FX der gemeinsamen Endstrecke der Gerinnungsaktivierung. Zusatz von Rinderfibrinogen und -FV erhöht die Spezifität für die Aktivität der Vitamin-K-abhängigen Faktoren II, VII und X („Hepato-Quick“).
Sensitivität
In Abhängigkeit vom gewählten Thromboplastin muss bei einem singulären Faktormangel die Aktivität des Faktors in der Regel unter 45 % fallen, bevor er in der TPZ erfasst wird. Bedingt durch extrem starke Aktivierung der Probe durch TF ist die TPZ ist ein relativ grober Test, viele Patienten mit normaler TPZ (oder APTT) haben Störungen im extrinsischen (oder intrinsischen) Gerinnungs-System, die nur mit einem neuen F10a/Thrombin-Generierungstests wie dem EXCA („extrinsic coagulation activity assay“) (oder dem INCA = „intrinsic coagulation activity assay“ bzw. dem RECA = „recalcified coagulation activity assay“) diagnostiziert werden können.
Fehlermöglichkeit
Höhere Plasmakonzentrationen an nicht fraktioniertem Heparin (>1 IE/ml) können gegebenenfalls den Test beeinflussen, da dann das Polyanion Heparin nicht durch das Polykation Polybren im TF-Reagenz neutralisiert wird. Lupus-Antikoagulans kann die TPZ verlängern, besonders, wenn ein rekombinantes Thromboplastin eingesetzt wird. Die meisten Gewebsextrakte enthalten jedoch einen Überschuss an Phospholipiden, sodass ein Lupus-Antikoagulans nicht zur TPZ-Verlängerung führt.
Praktikabilität – Automatisierung – Kosten
Die TPZ kann mit verschiedenen Geräten und mit verschiedenen Messprinzipien durchgeführt werden. Geringe Kosten.
Bewertung – Methodenhierarchie
Gruppentest.
Literatur
Barthels M, Depka M (2003) Gerinnungskompendium. Georg Thieme Verlag, Stuttgart
Stief TW (2011) 20 % EXCA (0.1 IU/ml thrombin) – the ideal anticoagulant target value. Hemostasis. Laboratory 4:275–280
Stief TW (2012) LMWH – action-monitoring for all patients. Acta Paediatr 101:e314. https://​doi.​org/​10.​1111/​j.​1651-2227.​2012.​02712.​x CrossRefPubMed