Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
H. Baum

Thrombozytenzählung

Thrombozytenzählung
Englischer Begriff
platelet count
Definition
Bestimmung der Thrombozytenzahl pro Volumeneinheit.
Physikalisch-chemisches Prinzip
  • Manuelle Kammerzählung z. B. in einer Neubauer- oder Thoma-Zählkammer mit einer verdünnten Blutprobe.
  • Mechanisierte Zählung.
  • Impedanzmessung: Messung der Widerstandsänderung zwischen 2 Elektroden bei Durchtritt der Thrombozyten durch eine Kapillare im elektrischen Feld. Die in einer isotonen Salzlösung suspendierten Thrombozyten führen beim Durchtritt durch die Kapillare zu einer Änderung des Widerstandes, da ihre elektrische Leitfähigkeit im Vergleich zur Salzlösung geringer ist. Die Höhe der Widerstandänderung ist dabei proportional der Größe (Coulter-Prinzip der Zellzählung).
  • Streulichtmessung im kontinuierlichen Durchfluss (optisches Dunkelfeldprinzip): Die Thrombozyten passieren einzeln eine Kapillare. Ein durch diese Kapillare geleiteter monochromatischer Lichtstrahl wird an den Thrombozyten gestreut. Das auf einer Photozelle auftreffende Streulicht ist dabei proportional des Zellgröße, die Anzahl der Impulse proportional der Zellzahl.
Einsatzgebiet
Die Thrombozytenzählung erfolgt im Rahmen der Bestimmung des kleinen Blutbildes.
Untersuchungsmaterial
EDTA-Blut, Citratblut, Kapillarblut (bei manueller Kammerzählung).
Fehlermöglichkeit
  • EDTA-Blut nicht genügend gemischt.
  • Falsche Verdünnung (bei Handzählung).
  • Die Handzählung ist mit einem größeren Variationskoeffizient >10 % behaftet als die mechanisierte Zählung.
  • Bei der automatisierten Messung werden die Thrombozyten und die Erythrozyten gleichzeitig in einem Messkanal gemessen. Nur anhand ihrer unterschiedlichen Größen werden die gezählten Ereignisse den Thrombozyten oder Erythrozyten zugeordnet. Dies führt beim Vorhandensein von Thrombozytenaggregaten und Riesenthrombozyten zu einem falsch niedrigen Ergebnis. Kleine Erythrozyten (Mikrozyten) können dagegen bei der Thrombozytenzählung miterfasst werden und führen zu einem falsch hohen Messwert.
Praktikabilität – Automatisierung – Kosten
Die Handmethode wird nur noch in besonderen Fällen durchgeführt, in denen die Analysengeräte zur automatischen Zellzählung keine korrekte Zählung durchführen können, wie z. B. bei einer ausgeprägten Mikrozytose der Erythrozyten oder bei Riesenthrombozyten mit gleichzeitiger Thrombozytopenie. Die automatisierten Methoden sind schnell durchzuführen, präzise und gelten als Standardmethode.
Die Kosten der Untersuchung sind insgesamt gering.
Bewertung – Methodenhierarchie (allg.)
Die Bestimmung der Thrombozytenzahl gehört zu den Basisuntersuchungen und wird gleichzeitig mit den Parametern des kleinen Blutbilds (Blutbild, kleines) durchgeführt.
Literatur
Witt I (1995) Hämostase- und Fibrinolysesystem – Primäre Hämostase und Thrombozytenfunktion. In: Greiling H, Gressner AM (Hrsg) Lehrbuch der Klinischen Chemie und Pathobiochemie, 3. Aufl. Schattauer Verlag, Stuttgart, S S 932–S 933