Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Info
Verfasst von:
K. Kleesiek, C. Götting, J. Diekmann, J. Dreier und M. Schmidt
Publiziert am: 12.04.2018

Tn-Antigen

Tn-Antigen
Synonym(e)
Englischer Begriff
Definition
Durch einen erworbenen Synthesedefekt generiertes erythrozytäres Antigen, das zur Tn-Polyagglutinabilität mit AB0-Blutgruppen-kompatiblen (AB0-Blutgruppensystem) Seren führt.
Beschreibung
Das Tn-Antigen gehört zu den erythrozytären Kryptantigenen (s. Kryptantigen), die erst durch eine Veränderung der Erythrozytenoberfläche freigesetzt und somit dem Immunsystem zugänglich gemacht werden. Das immunodominante Epitop des Tn-Antigens ist ein O-glykosidisch proteingebundener α-N-Acetylgalaktosaminrest, der durch eine unvollständige oder fehlende Galaktosylierung des Thomsen-Friedenreich-Antigens, das die Struktur Galaktose-β1,3-N-Acetyl-Galaktosamin-α1-O-Threonin/Serin-Protein aufweist, entsteht. Für die fehlende oder unvollständige Addition des Galaktosemoleküls wird eine Inaktivierung der Genexpression einer Galaktosyltransferase angenommen, die einen Transfer von Galaktose ausgehend von UDP-Galaktose auf den N-Acetyl-Galaktosaminrest des partiellen Thomsen-Friedenreich-Antigens katalysiert. Die Inaktivierung der Genexpression resultiert wahrscheinlich aus der somatischen Mutation einer hämatopoetischen Stammzelle, die zu klonalen Veränderungen führt. Zellpopulationen mit und ohne Mutation im Galaktosyltransferase-kodierenden Gen können koexistieren, sodass Tn-Antigen-positive und Tn-Antigen-negative Zellen in der Blutzirkulation vorhanden sind. Dies kann bei Zusatz von Anti-Tn-Antikörpern zur Mischfeldagglutination von Tn-Antigen-tragenden und Tn-Antigen-freien Erythrozyten führen.
Literatur
Mueller-Eckhardt C, Kiefel V (Hrsg) (2004) Transfusionsmedizin: Grundlagen – Therapie – Methodik, 3. Aufl. Springer, Berlin/Heidelberg/New York
Strobel E (2000) Erworbene Veränderungen der erythrozytären Merkmale. Infus Ther Transfus Med 27:80–89