Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
W. Hubl

TRH-Test

TRH-Test
Synonym(e)
Thyreotropin-Releasing-Hormon-Test; TSH-Stimulation; Tyreoliberin-Test
Englischer Begriff
thyreotropin-releasing hormone test
Definition
Der TRH-Test überprüft die Reaktion von Thyreotropin (TSH) auf das im Hypothalamus gebildete Thyreotropin-Releasing-Hormon (TRH).
Durchführung
  • Erste Blutentnahme zur basalen TSH-Bestimmung
  • Intravenöse Verabreichung von 200 μg TRH (für Kinder 7 μg/kg KG)
  • Oder: nasale Applikation von je einem Sprühstoß zu 1 mg TRH in jedes Nasenloch mit einem speziellen Applikator
  • Nach 30 Minuten zweite Blutentnahme zur TSH-Bestimmung
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Probenstabilität
Präanalytik
  • Applikation von Kortikosteroiden (Kortikosteroide), Estrogenen (Estrogene), L-Dopa, Salicylaten (Salicylate) und Bromocriptin können zu negativen Testergebnissen führen.
  • Während einer Thyroxin-Substitutionstherapie ist der TRH-Test nicht auswertbar.
Analytik
Referenzbereich – Erwachsene
TSH-Anstieg um 2,5–20 mIE/L. Interpretation des TSH-Anstiegs nach TRH-Gabe:
TSH-Anstieg nach TRH-Gabe (mIU/L)
Interpretation
Um 2,5–20
Euthyreose
<2,5
Subklinische Hyperthyreose bzw. sekundäre, hypophysäre Hypothyreose
>20
Primäre Hypothyreose
Schilddrüsenhormonresistenz (überhöhte Stimulierbarkeit)
Kein TSH-Anstieg (<2,5) bei intakter Schilddrüsenfunktion, bedingt durch andere Erkrankungen und Störeinflüsse
Akromegalie, Cushing-Syndrom
Leber- und Nierenfunktionsstörungen
Medikamenteneinflüsse: Glukokortikoide
Referenzbereich – Kinder
TSH-Anstieg um 2,5–20 mIE/L.
Indikation
  • Verdacht auf Hypophysenvorderlappeninsuffizienz verbunden mit einer Störung der TSH-Sekretion, häufig gemeinsam mit weiteren Störungen anderer Proteohormone
  • Verdacht auf subklinische Hyper- oder Hypothyreose
  • Differenzierung zwischen sekundärer und tertiärer Hypothyreose
  • Differenzierung zwischen Schilddrüsenhormonresistenz und autonomer TSH-Sekretion (Tumor)
Kontraindikation(en)
Myokardinfarkt, instabile Angina pectoris, Epilepsie, zerebrales Krampfleiden, schwere obstruktive Atemwegserkrankungen, Schwangerschaft.
Nebenwirkung(en)
Selten:
  • Flush-Symptome
  • Krampfanfälle und Bewusstlosigkeit bei Patienten mit großen Hypophysentumoren
  • Allergische Reaktionen
Interpretation
S. Tabelle unter „Referenzbereich – Erwachsene“.
Diagnostische Wertigkeit
Mit der Einführung hochsensitiver TSH-Bestimmungen wurde die Anwendung des TRH-Testes in den letzten Jahren stark zurückgedrängt. Er hat heute nur noch bei seltenen Problemfällen eine Berechtigung. Hierzu gehören die isolierte TSH-Insuffizienz, Thyrotropinome sowie die Schilddrüsenhormonresistenz.
Literatur
Hartoft-Nielsen ML, Lange M, Rasmussen AK et al (2004) Thyrotropin-releasing hormone stimulation test in patients with pituitary pathology. Horm Res 61:53–57PubMed
Mönig H, Harbeck B, Domm C et al (2014) Dynamische Funktionstests in der Endokrinolgie und Diabetologie. TRH-Test. In: Lehnert H (Hrsg) Rationelle Diagnostik und Therapie in Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel. Thieme-Verlag, Stuttgart, S 645–666
Thomas L (2012) (Hrsg) Schilddrüsenfunktion. In Labor und Diagnose. Indikation und Bewertung von Laborbefunden für die medizinische Diagnostik, Frankfurt am Main 8. Aufl. TH-Books, S. 1718–1752, TRH-Test S. 1732