Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik
Autoren
K. J. Lackner und D. Peetz

Triglyzeride

Triglyzeride
Synonym(e)
Triacylglyzerin
Englischer Begriff
triglyceride
Definition
Ester aus Glyzerin und 3 meist mittel- bis langkettigen Fettsäuren.
Grundstruktur:
Molmasse
Hängt von der Fettsäurezusammensetzung ab; Triolein 885,43 g, Tripalmitin 807,35 g.
Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination
Die Hauptquelle von Triglyzeriden sind Nahrungsfette. Da sie praktisch wasserunlöslich sind, werden sie im Blut an Lipoproteine gebunden transportiert. Im Darm resorbierte Triglyzeride werden nach Hydrolyse und erneuter Veresterung des Glyzerins (s. Glyzerin, freies) mit Fettsäuren an Chylomikronen gebunden transportiert. Im Plasma werden sie durch die endothelständige Lipoproteinlipase in Monoglyzeride und freie Fettsäuren gespalten. Diese können entweder als Substrate zur Energiegewinnung genutzt und hier vollständig zu CO2 und Wasser abgebaut werden oder im Fettgewebe wiederum als Triglyzeride gespeichert werden. Neben den Chylomikronen transportieren auch die VLDL (Very low density lipoprotein) relevante Mengen Triglyzeride. VLDL werden in der Leber synthetisiert und dienen in erster Linie dem Transport endogener Lipide.
Halbwertszeit
Die Halbwertszeit von Triglyzeriden, die an Chylomikronen gebunden sind, ist kurz. Postprandial wird ein Maximum der Triglyzeridkonzentration nach ca. 3–5 Stunden erreicht. Nach ca. 6–8 Stunden sind keine Chylomikronen mehr im Plasma nachweisbar. Unter pathologischen Bedingungen kann sich die Clearance von triglyzeridreichen Lipoproteinen stark verlängern. Insulin beschleunigt den Abbau von Triglyzeriden und hemmt die Freisetzung von freien Fettsäuren aus dem Fettgewebe.
Funktion – Pathophysiologie
Triglyzeride sind mit ca. 9 kcal/g das energiedichteste physiologisch relevante Substrat. Ihre Fettsäuren dienen den meisten Geweben als Energiequelle. Daneben sind sie der wichtigste längerfristige Energiespeicher. Die Adipositas als Folge einer längerfristig den Bedarf übersteigenden Nahrungsaufnahme ist einer der wichtigsten Risikofaktoren der Insulinresistenz und des metabolischen Syndroms. Hypertriglyzeridämien, also erhöhte Triglyzeridserumkonzentration, entstehen sowohl alimentär als auch genetisch bedingt.
Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen
Triglyzeride werden üblicherweise aus Serum oder Plasma, das nach 12 Stunden Nahrungskarenz abgenommen wurde, bestimmt. Es existieren aber auch Methoden zur Bestimmung aus Vollblut. Triglyzeride sind nach Abtrennung der zellulären Bestandteile aus der Probe ähnlich stabil wie Cholesterin.
Analytik
Für die Triglyzeridbestimmung (Abb. 1) existieren derzeit keine allgemein akzeptierten definitiven Methoden oder Referenzmethoden. Es wurden allerdings Protokolle für auf Isotopenverdünnung basierende massenspektrometrische Methoden. Eine von den Centers for Disease Control verwendete Referenzmethode hat sich international nicht durchsetzen können. In der klinischen Routine werden Triglyzeride enzymatisch bestimmt. Grundprinzip aller Methoden ist die vollständige Hydrolyse zu Glyzerin und 3 freien Fettsäuren mit nachfolgender enzymatischer Bestimmung des Glyzerins (s. Reaktionsschema).
Kritische Faktoren sind hier die vollständige Hydrolyse der Triglyzeride auch bei sehr unterschiedlichem Fettsäuregehalt. Es hat sich gezeigt, dass nicht alle verwendeten Lipasen dazu in der Lage sind und meist ein mehr oder weniger geringer Anteil von Mono- und Diglyzeriden zurückbleibt. Ein weiteres Problem stellen im Plasma vorhandenes endogenes freies Glyzerin sowie Mono- und Diglyzeride dar. Dabei sind letztere für klinische Zwecke vernachlässigbar. Freies Glyzerin kann auf 2 Wegen berücksichtigt werden:
  • Durch separate Bestimmung der Probe ohne Lipasezusatz kann das freie Glyzerin bestimmt und von dem mit Lipase erhaltenen Resultat abgezogen werden.
  • Alternativ kann zunächst in Abwesenheit der Lipase freies Glyzerin umgesetzt und die entstehende Extinktion als Probenleerwert verwendet und anschließend die Extinktionsänderung in Anwesenheit der Lipase bestimmt werden.
Der erste Ansatz hat den Nachteil, dass grundsätzlich 2 Analysen durchgeführt werden müssen. Dafür steht theoretisch ein Messwert für das freie Glyzerin zur Verfügung. Der zweite Ansatz stellt höhere Anforderungen an das Analysensystem, die aber die meisten modernen Analysatoren erfüllen.
Konventionelle Einheit
mg/dL.
Internationale Einheit
mmol/L.
Umrechnungsfaktor zw. konv. u. int. Einheit
In Abhängigkeit der angenommenen Fettsäurezusammensetzung ergeben sich Faktoren von 0,01123 (Veresterung mit 3 Molekülen Stearinsäure, C18:0), 0,01129 (3 Molekülen Ölsäure, C18:1) bis 0,0124 (3 Moleküle Palmitinsäure, C16:0). Da die enzymatischen Methoden im Prinzip äquimolar messen, ist die Angabe in SI-Einheiten theoretisch die einzig korrekte. Bereits die Unsicherheit bezüglich der Fettsäurezusammensetzung führt zu Abweichungen bis zu 10 % bei Angabe der Werte in konventionellen Einheiten.
Referenzbereich – Erwachsene
<200 mg/dL bzw. <2,3 mmol/L.
Referenzbereich – Kinder
S. Erwachsene.
Indikation
Basisuntersuchung des Fettstoffwechsels (Cholesterin). Der Triglyzeridwert wird zur Berechnung von LDL-Cholesterin mit der Friedewald-Formel neben Gesamt- und HDL-Cholesterin benötigt.
Interpretation
Nüchternwerte >200 mg/dL weisen auf eine Fettstoffwechselstörung hin. Bei Nüchternwerten >400 mg/dL sollte zumindest einmal eine vollständige Analyse aller Lipoproteine am besten mit Ultrazentrifugation zur Diagnosestellung erfolgen.
Literatur
Chen Y, Liu Q, Yong S et al (2014) An improved reference measurement procedure for triglycerides and total glycerides in human serum by isotopedilution gas chromatography-mass spectrometry. Clin Chim Acta 428:20–25CrossRef